Derzeit drohen Unternehmen in Großbritannien bei Verstößen gegen das Datenschutzrecht Strafen von bis zu 500.000 Pfund – für manche ein Klaps auf die Finger, für andere ruinös. Digitalminister Matt Hancock stellte heute eine umfassende Reform vor, die diese Bußgelder um bis zu 3.300 % auf maximal 17 Millionen Pfund (oder 4 % des globalen Umsatzes) anhebt.

Das neue Gesetz setzt die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) um, die in der Thronrede der Königin im Juni angekündigt wurde. Es schützt Bürger vor Missbrauch personenbezogener Daten, gewährt mehr Kontrolle über eigene Informationen und verpflichtet Unternehmen, Datenschutzvorfälle innerhalb von 72 Stunden zu melden.
Mehr dazu: Was ist die DSGVO? Alles Wissenswerte zu Ihren Daten und deren Nutzung
Doch die wahren Neuerungen liegen in den verschärften Vorschriften: Besonders das "Recht auf Vergessenwerden" gibt britischen Nutzern das Recht, die Löschung ihrer Daten bei Datensammlern wie Social-Media-Plattformen oder Online-Shops zu verlangen.
Die Definition personenbezogener Daten wird erweitert um IP-Adressen, DNA-Daten und Cookies. Unternehmen benötigen künftig explizite Zustimmung (keine vorausgefüllten Häkchen mehr) und müssen Widerruf jederzeit einfach ermöglichen.
Diese Maßnahmen gehen über die Versprechen der Konservativen im Wahlmanifest hinaus. Als sicherer Gesetzentwurf einer Minderheitsregierung dürfte er reibungslos durchs Parlament kommen.
"Dieses Datenschutzgesetz schafft eines der strengsten und dynamischsten Regime weltweit", betonte Hancock. "Es gibt Bürgern mehr Kontrolle, fordert echte Zustimmung und bereitet Großbritannien auf den Brexit vor."
Digitalminister Matt Hancock
Siehe auch: Was ist GDPR-Compliance? Alles zu Ihren Daten und deren Nutzung | Ehemaliger GCHQ-Chef: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist eine "überwältigend gute Sache"
Ein zentrales Ziel: Harmonisierung mit EU-Recht, um nach dem Brexit reibungslosen Datenaustausch zu sichern. Als Drittland muss Großbritannien EU-Standards erfüllen, um Sanktionen zu vermeiden – ein Schlüsselthema in den Handelsgesprächen.
Bild: Policy Exchange, CC-Lizenz