Wir reden viel über Ressourcenschutz, handeln aber selten entsprechend – ähnlich wie bei unserem Lippenbekenntnis zum Tierschutz. Ein neuer Bericht der United Nations University (UNU) zeigt: Der weltweite Elektroschrott hat sich von 2014 bis 2016 um 8 Prozent auf 44,7 Millionen Tonnen erhöht.

Diese Menge entspricht dem Gewicht von 4.500 Eiffeltürmen oder 1,23 Millionen voll beladenen 40-Tonnen-Lkw, die von New York nach Bangkok und zurück reichen. Darin versinken Edelmetalle im Wert von 55 Milliarden US-Dollar, die trotz Recyclingangeboten ungenutzt bleiben.
Noch besorgniserregender: Experten prognostizieren bis 2021 einen weiteren Anstieg um 17 Prozent auf 55,2 Millionen Tonnen. „Wir hatten auf einen geringeren Zuwachs gehofft, doch realistisch rechnen wir in den kommenden Jahren mit Fortschreiten“, erklärt Rüdiger Kuehr, Leiter des UNU-Programms für nachhaltige Zyklen, in einem Telefonat aus seinem Büro in Deutschland. „Besonders vor Weihnachten explodieren die Geräte mit integrierten Batterien den Müllberg.“
Viele entsorgten Geräte stammen nicht aus 2016, sondern sind historischer Abfall durch unseren Konsumrausch. „Selbst in Recyclingzentren wie in Großbritannien oder Deutschland mischt sich alles: Mikrowellen mit Staubsaugern und Zahnbürsten – viel landet im Hausmüll“, ergänzt Kuehr.
Der Westen treibt das Problem an, doch mit wachsendem Wohlstand in Entwicklungsländern wird es global. Ozeanien produziert mit 17,3 kg pro Kopf am meisten, Europa folgt mit 16,6 kg, Amerika mit 11,6 kg, Asien mit 4,2 kg und Afrika mit 1,9 kg.
Bewältigung des Elektroschrottbergs
Positive Signale: 67 von 192 UN-Mitgliedstaaten haben nun E-Waste-Gesetze, die 66 Prozent der Weltbevölkerung abdecken – 2014 waren es 44 Prozent. Dennoch warnt Kuehr: „Mehr Gesetze bedeuten nicht automatisch weniger Abfall.“
Die Lösung liegt in einer radikalen Umdenke beim Konsum: „Die Herstellung verursacht den größten Umweltschaden, nicht Nutzung oder Entsorgung“, betont Kuehr. Als „König der Welt“ würde er Reparaturfreundlichkeit fordern und Hersteller zu Eigentümern der Produkte machen – hin zu Dienstleistungsmodellen statt Kauf. „Geräte wären dann modular und wiederverwendbar.“
Verbrauchermentalität ist der Knackpunkt: „Wir lieben Besitz mehr als Leasing“, gibt Kuehr zu. Umweltbewusstes Marketing und Nachfrage könnten Unternehmen wie Fairphone stärken.
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Trotz düsterer Prognosen bleibt Kuehr optimistisch: „Bewusstsein wächst – das ist der erste Schritt. Wissen wird uns verändern.“
Bildquellen: Jon Feinstein und Rwanda Green Fund, unter Creative Commons.