Unsere Gehirne sind faszinierende Organe, die uns mühelos durch Zeitreisen schicken – von schmerzhaften Erinnerungen zu freudvollen Momenten oder sogar in eine imaginäre Zukunft.

Tagträume wirken einfach, doch das Gegenteil ist der Fall: Beim Erinnern oder Blick in die Zukunft arbeitet das Gehirn intensiv und nutzt ein Zusammenspiel verschiedener Systeme. Dies zeigen aktuelle Forschungen.
Die Studie, veröffentlicht in Nature Human Behaviour, leitete Dr. Vadim Axelrod zusammen mit Professor Moshe Bar von der Bar-Ilan-Universität. Sie bat Freiwillige, Szenen vorzustellen, und scannte per MRT die aktiven Hirnregionen, um das Netzwerk innerer Gedanken und Empathie zu entschlüsseln.
Insgesamt 41 gesunde Teilnehmer wurden gescannt. Im MRT mussten sie "mentale Erfahrungen" zu einem Bild erzeugen: Vorher/Nachher-Szenen ("vergangene/ zukünftige Bilder"), persönliche episodische Erinnerungen ("episodische Erinnerung") oder sich selbst als Bildperson vorzustellen ("einfühlend").
Verwandte Artikel:
Wir haben möglicherweise endlich die Geheimnisse entschlüsselt, wie unser Gehirn die Zeit im Auge behält.
Wie VR für Tiere die Geheimnisse unseres eigenen Geistes entschlüsseln könnte.
KI wird jetzt verwendet, um Anzeichen von Schizophrenie in Gehirnscans zu erkennen.
Axelrod und Team identifizierten drei kognitive Systeme, die beim inneren Denken aktiv werden.
Beim Abrufen episodischer Erinnerungen zeigten Scans im hinteren cingulären Kortex (PCC), Winkelgyrus und medialen präfrontalen Kortex (mPFC) eine klare, positive, umgekehrte U-Form. Im parahippocampalen Kortex (PHC) entstand eine negative U-Form.

In PCC und mPFC waren Reaktionen bei episodischen Erinnerungen stärker als in anderen Zuständen. Das könnte an intensiverer Selbstverarbeitung und emotionaler Beteiligung liegen – im Gegensatz zu Vor-/Nachher-Vorstellungen oder Empathie.
Spannend: Keine sensorische Reize sind nötig. Einfach die Augen schließen, und wir reisen durch Zeit und Raum.
"Wir haben unendlich viele innere Erfahrungen", erklärt Axelrod. "Es geht nicht nur um Erinnerungen, sondern auch um Zukunftsvisionen oder Gedankenwanderungen."
Obwohl Gedanken wie ein Ganzes wirken, verarbeitet das Gehirn sie modular. "Das fühlt sich kontraintuitiv an, da wir keinen getrennten Aufbau von Szene und Zeitreise spüren", sagt Axelrod.
Die Studie legt Grundlage für weitere Forschung zu zusätzlichen kognitiven Systemen.