„Harte Arbeit ist ihre eigene Belohnung“, behaupten manche. Doch wenn Sie diese Logik nicht nachvollziehen können, liegt es möglicherweise an der Verdrahtung Ihres Gehirns. Eine Studie, die auf dem Canadian Neuroscience Meeting 2018 in Vancouver präsentiert wurde, zeigt: Manche Ratten entscheiden sich für den leichten Weg, weil ihr Gehirn darauf programmiert ist.

Forscher der University of British Columbia (UBC) identifizierten Gehirnregionen, die die Entscheidungsfindung bei Nagetieren steuern – ob sie sich für eine große Belohnung mehr anstrengen oder den bescheidenen Preis wählen. Es gibt keinen einzelnen „Entscheidungsbereich“, sondern ein Netzwerk, das Risiko, Belohnung und Aufwand abwägt.
„Unsere Forschung zeigt, dass die Entscheidungsfindung von Regionen abhängt, die an emotionalen Reaktionen beteiligt sind (basolaterale Amygdala), diese in Handlungen umsetzen (striatale und Dopaminsysteme) sowie vom frontalen Kortex (anteriore cinguläre und mediale präfrontale Kortex), der kausale Zusammenhänge erkennt und Ergebnisse bewertet“, erklärt Dr. Catharine Winstanley, leitende Autorin der Studie.
Wie testeten die Wissenschaftler das? Sie entwickelten eine kognitive Aufgabe für Ratten: Die Tiere erhielten zuckerhaltige Kügelchen, wenn sie die Nase in das richtige, beleuchtete Loch steckten. Zwei Hebel boten Schwierigkeitsstufen: Der erste ließ das Licht eine Sekunde leuchten (einfach), der zweite nur ein Fünftel davon (schwer) – dafür aber doppelte Belohnung.
Einige Ratten (vom Team „Faulpelze“ genannt) wählten konsequent den einfachen Modus, andere („Arbeiter“) den harten. Diese Präferenz hing nicht von Fähigkeiten ab, sondern korrelierte mit Aktivität in den genannten Gehirnregionen, wie Inaktivierungsexperimente zeigten.
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Warum Ratten forschen? Entscheidungsprozesse sind bei psychiatrischen Erkrankungen wie Bipolarität, Psychopathie oder Sucht entscheidend. Bessere Einsichten könnten neue Therapien ermöglichen. Beim Menschen beeinflusst die Wahl harter, lohnender Optionen den Lebensweg – wie der Marshmallow-Test zeigt: Gute Abschneider werden erfolgreicher Erwachsene.
„Das Ausmaß, in dem wir kognitive Anstrengung für größere Belohnungen wählen, hat weitreichende Konsequenzen für wirtschaftlichen und persönlichen Erfolg“, betont Winstanley. „Verhaltenstests bei Tieren entschlüsseln Schlüsselregionen und Signale im Gehirn.“
„Zu verstehen, wie das Gehirn Entscheidungen trifft, ist eine der grundlegendsten Fragen der Neurowissenschaften.“