Udacitys Leiter für fahrerlose Autos über Zeitpläne, Sicherheit und das Wohlfühlen ohne menschliche Verantwortung
Von Alan Martin
Am Montag trat Uber – ein Unternehmen, das nicht gerade für meisterhafte Krisenkommunikation bekannt ist – in die Geschichte ein. Eines seiner autonomen Fahrzeuge hatte in Arizona eine Frau angefahren und getötet. Weltweit rückten Nachrichtenagenturen den Blick auf das erste tödliche Opfer eines Fußgängers durch ein fahrerloses Auto.

Dass dieser Vorfall überhaupt Schlagzeilen machte, lohnt eine genauere Betrachtung. Unfälle durch menschliche Fahrer sind Alltag und werden selten individualisiert. Autofahren birgt Risiken; Menschen machen Fehler – Todesfälle sind bei 15-facher Überschallgeschwindigkeit unvermeidlich. Fahrerlose Autos hingegen bekommen keinen Freifahrtschein.
Als Journalist, der nicht selbst fährt, aber regelmäßig über autonome Technologien berichtet, schwanke ich zwischen Begeisterung für den Kauftraum und instinktivem Zweifel. Logisch überzeugt: Ein Unfall pro Hunderten Millionen Testkilometer schlägt die 1.792 Verkehrstoten in Großbritannien 2016. Dennoch...
Zwei Wochen vor dem Uber-Zwischenfall traf ich David Silver, ehemaligen Ford-Ingenieur für autonome Systeme und nun Leiter der Udacity-Kurse zu fahrerlosen Autos. Bei einem Drink diskutierten wir intensiv über Sicherheit, öffentliches Unbehagen und Theorien.
„Was die Branche besser kommunizieren muss, ist die Zahl der geretteten Leben durch fahrerlose Autos“, betonte Silver. „Besonders in den USA ist Alkohol am Steuer eine Hauptursache für Tote – Maschinen trinken nicht und sind daher oft sicherer als Menschen.“
Fahrerlose Autos haben zudem einen entscheidenden Vorteil: Sie vergessen nie. „Jeder Fahrer lernt individuell, doch bei autonomen Fahrzeugen wandert Wissen in die Cloud und wird flächendeckend verteilt“, erklärt Silver. So profitieren alle von den Erfahrungen eines.
Umgang mit Emotionen
Dies könnte revolutionär sein, wenn Hersteller Daten teilen. Doch Logik siegt nicht über Gefühle. Wie überwinden Unternehmen das Unbehagen, gerade wenn ein Unfall die Schlagzeilen dominiert?
Transparenz ist Schlüssel: Offene Berichterstattung über Vorfälle und Kommunikation der Fahrzeuge – was sie sehen und wie sie reagieren – beruhigt viele. Zeit heilt am besten: Einstellungen ändern sich langsam. „Vor 10 Jahren klang Uber verrückt – heute ist es normal“, sagt Silver.
Besserer Vergleich: Aufzüge. „Menschen fahren super bequem darin – ohne Panik“, meint er. „Aufzugsfirmen sind verantwortungsvoll, Unfälle rar, Vertrauen gewachsen.“ Allerdings: Aufzüge folgen festen Bahnen, ohne Interaktion mit Unvorhersehbarem.
Freiwilliger Verzicht auf Lenkräder? „Unrealistisch kurzfristig“, warnt Silver. „In 5–10 Jahren könnten städtische Zonen autonom sein. Autofahren wird wie Radfahren: Urban praktisch, sonst Freizeit.“
Streiche, Fußgänger und Tod durch natürliche Ursachen
Der 10-Jahre-Horizont taucht dreimal auf. Kritiker sorgen sich um Szenarien: Kinder werfen Bälle vor Autos, Fußgänger jaywalken risikofrei?
„Gute Frage, Ingenieure arbeiten daran“, räumt Silver ein. „Manche nutzen schon, dass Autos stoppen. Aber Chaos? Menschen respektieren Regeln aus Moral und Strafe.“
Zukünftig könnte Springen vor Autos als schweres Vergehen gelten. Sensoren (Kameras etc.) erleichtern Beweise – ähnlich wie bei Internet-Daten.
Makaber: Natürlicher Tod im Auto, der Fahrer fährt weiter? „Edge-Cases werden getestet“, sagt Silver. „Thrun und Urmson kennen Stories von fallenden Stühlen bis Enten hüten auf der Straße. Sensoren für Herzfrequenz? Firmen bauen sie bereits ein.“
Ist es das wert?
Trotz Hürden locken Vorteile: Weniger Tote, Emissionen, Parkbedarf. Produktivität boomt – WHO schätzt 3 % BIP-Verlust durch Verkehr pro Jahr.
Das Video zeigt Ubers Crash. Moral Machine von MIT simuliert Dilemma-Entscheidungen.
Halten wir autonom? „Unvermeidlich, aber verantwortungsvoll“, prognostiziert Silver. Talentmangel bremst: Udacitys Nanodegree hat 10.000 Absolventen platziert. „Die Frage ist nur: Wie lange?“