Mobile Werbung und Datenschutz sind seit Jahren ein heiß diskutiertes Thema. Große Unternehmen sammeln umfangreiche Kundendaten, doch eine Studie der University of Washington zeigt: Auch Privatpersonen mit kleinem Budget können sensible Informationen extrahieren.

Für nur 1.000 US-Dollar (ca. 760 £) lassen sich mit mobilen Anzeigen der genaue Standort einer Person nachverfolgen. „Normale Menschen – nicht nur kommerzielle Werbenetzwerke – können das Online-Werbeökosystem nutzen, um private Daten über Bekannte oder Nachbarn zu gewinnen“, fasst die Studie zusammen.
Gezielte Ads basieren auf IP-Adresse, Standort, Betriebssystem oder Demografie wie Geschlecht und Alter. Die Forscher demonstrierten: Werbeanbieter teilen Käufern mit, wann und wo Anzeigen serviert werden – inklusive genutzter Apps.
Im Experiment kauften die Wissenschaftler Anzeigen, die bei Anzeige auf dem Gerät des Ziels zurückmeldeten. So erfuhren sie, welche Apps genutzt wurden.
Noch präziser: Mithilfe der eindeutigen Mobile Advertising ID (MAID) richteten sie Anzeigen ausschließlich an ein Zielgerät aus. Standortspezifische Ads ermöglichten eine Ortung auf acht Meter genau – solange das Gerät fünf Minuten blieb. Die App wurde ebenfalls identifiziert.
In einem Test verfolgten sie die Pendelroute einer Person durch Seattle: Zuhause, Bushaltestelle, Café und Büro – basierend auf vier gezielten Anzeigen.

Die Studie nannte das genutzte Netzwerk nicht, da das Risiko branchenweit bestehe. „Wir testeten eines und befragten viele weitere“, erklären die Autoren.
Die Konsequenzen sind alarmierend: Stalker oder Missbraucher könnten Routinen und App-Nutzung ausspähen. „Die Eintrittsbarriere für gezielte Angriffe ist niedrig“, warnt Prof. Adam Lee von der University of Pittsburgh gegenüber Wired.
Empfehlung der Forscher: Werbenetzwerke sollten Käufer strenger prüfen. Nutzer sollten ihre MAID zurücksetzen (iPhone-Anleitung, Android-Anleitung) und Standortzugriffe für Apps deaktivieren (iPhone, Android).
Weitere Tipps: So blockieren Sie Pop-up-Werbung auf Android. Warum Apple-Anzeigen eine Welt voller Morgenmenschen darstellen.