Hier ist etwas Handwerkliches und Schönes: Ovosonicos Last Day of June (auf Deutsch: Letzter Tag im Juni) ist ein Spiel über eine Handvoll Stunden, die mit zunehmender Verzweiflung der Ohnmacht wiederholt werden. „Was würdest du tun, um den zu retten, den du liebst?“, fragt die Strapline. Am Ende dreht sich die Frage: Was kannst du tun, um den zu retten, den du liebst?
Letzter Tag im Juni ist vor allem ein narratives Erlebnis. Ich bleibe bei der Unbestimmtheit, um die emotionalen Höhepunkte der dreihalb- bis vierstündigen Spielzeit nicht zu verraten. Die Geschichte dreht sich um Carl und June, ein Paar in einem malerischen, unspezifischen Dorf mit wenigen Bewohnern. Eine Tragödie trifft sie, und das warme Sommerlicht weicht einer dunklen Nacht der Seele.
In einer einzigen Nacht wird Carl von einer magischen Kraft heimgesucht, die ihm erlaubt, in den schicksalhaften Tag zurückzureisen – aus der Perspektive anderer Dorfbewohner. Ein alter Mann, ein kleiner Junge, ein Nachbar im Umzug, ein wohlhabender Gutsbesitzer: Ihre Handlungen verknüpfen sich kausal und führten zum Unfall, den Carl verzweifelt verhindern will. Das ist das Kernrätsel: Wie setzt man dieses Puzzle neu zusammen, um die Vergangenheit zu ändern?
Die Fokussierung auf wenige Charaktere ist ein Meisterzug von Regisseur Massimo Guarini. Das Puzzle bleibt überschaubar, und die enge Welt wirkt theatralisch wie eine Bühne – mit künstlichem Schwebezustand inmitten realistischer Straßen und Häuser. Jede Figur trägt ihren eigenen Herzschmerz, der durch Erinnerungen und Verluste schimmert und das idyllische Bild vertieft. Ähnlich wie bei Playdeads Inside oder Starbreeze’ Brothers: A Tale of Two Sons entfalten sich diese Momente am besten in einem Zug.
Die wortlose Erzählung setzt auf Seufzer, Grunzen und die atemberaubenden Animationen von Jess Cope. Kleine Gesten und Körpersprache tragen die Emotionen, während das Design – bauchige Köpfe, leere Augenhöhlen – bezaubernd und unheimlich zugleich wirkt. Die Balance zwischen sonniger Helligkeit und Carls nächtlicher Einsamkeit ist meisterhaft.

Siehe auch unseren Little Nightmares-Review: Tarsiers groteskes Juwel kommt nach Switch. Inside und der Aufstieg von Kurzspielen. Von Minecraft über Everybody’s Gone zur Entrückung: Wie das reale Leben die Spiele imitiert, die wir spielen.
Frustration entsteht durch die lineare Zeitleistenstruktur: Man kann nicht frei zwischen Perspektiven wechseln. Muss der Junge etwas ändern, bevor der Nachbar agiert, muss man erst den Tag des Nachbarn durchlaufen. Das bremst das Tempo, obwohl das Spiel Back-and-Forth minimiert.
Der letzte Akt steigert brillant die emotionale Intensität, indem er Erwartungen an Kontrolle untergräbt. Die Ambivalenz der Zeitreise – real oder Trauerprojektion? – und Einblicke in die Verluste der Figuren machen es wirkungsvoll. Leider sabotiert der Abschluss diese Tiefe mit einer schmeichelhaften Auflösung.
Trotz dieses Fehltritts bleibt Last Day of June eine reife, nachdenkliche Meditation über Gemeinschaft und Tod. Carl und June bilden das Rückgrat, doch die leisen Trauermomente der Nebenfiguren verleihen Tiefe – und dem namenlosen Dorf seine Geister.