Gestern startete SpaceX ein Dragon-Raumschiff von Cape Canaveral aus zu einer Versorgungsmission zur Internationalen Raumstation (ISS). Für das Team von Hewlett Packard Enterprise (HPE)-Ingenieuren hatte dieser Flug eine besondere Bedeutung: An Bord befand sich ein HPE-Supercomputer der Apollo-4000-Reihe, speziell für den Weltraumeinsatz vorbereitet.

Trotz der strengen NASA-Sicherheitsstandards – der Computer bestand über 146 Tests zur Zertifizierung – basiert die Kerntechnologie weitgehend auf kommerziell verfügbaren Systemen. Anstatt Hardware radikal zu verhärten, setzt HPE auf smarte Software: Die Linux-basierte Lösung passt die Leistung in Echtzeit an Weltraumherausforderungen wie Strahlung, Sonneneruptionen, Mikrometeoroiden und schwankende Stromversorgung an. So weicht das System unter Laborbedingungen Fehlern zuverlässig aus.
„Der Daten-Downlink von der ISS ist eine Herausforderung“, erklärt Dr. Mark Fernandez, Americas CTO von SGI bei HPE. „Die Bandbreite ist begrenzt, und es gibt Signalunterbrechungen (LOS). Unser System erkennt das und puffert Daten lokal, bis die Verbindung wieder steht. Software löst diese Netzwerkprobleme elegant.“
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Dieses Experiment bietet zwei große Vorteile. Erstens ermöglicht die softwarebasierte Härtung den Einsatz aktueller Generationen von Supercomputern im All – schneller und kostengünstiger als traditionelle Hardware-Anpassungen. „Wir testen, ob wir Top-Systeme mit Software schützen können“, betont Fernandez. „So erhalten Weltraumforscher sofort leistungsstarke Rechenpower.“

Zweitens spart es Gewicht: Bei nur 124 Pfund (ca. 56 kg) erfüllt der Supercomputer alle NASA-Anforderungen. „Wir nutzen die maximale verfügbare Stromversorgung, Luftkühlung und Kühlwasser der ISS“, sagt Fernandez. Das wassergekühlte System ist direkt an die ISS-Kühlkreisläufe angeschlossen, die bis ins All reichen.
„Es wird der effizienteste Computer aller Zeiten: Solarstrom ohne Kosten und Kühlung durch die Kälte des Weltraums für null Dollar“, schwärmt Fernandez. „Energieeffizienz-Rechnungen erfordern Division durch Null!“
Dieser Ansatz ist entscheidend für die Raumfahrtzukunft. Aktuell laufen viele Berechnungen noch erdgebunden; auf dem Mond oder der ISS sind Verzögerungen minimal. Bei Mars-Missionen jedoch beträgt die Kommunikationsverzögerung bis zu 40 Minuten – Zeit, in der viel schiefgehen kann. Lokale Rechenleistung ist hier unverzichtbar.
Auch für nähere Missionen verspricht der Supercomputer Durchbrüche. „Absolut, wir erwarten unerwartete Ergebnisse“, freut sich Fernandez. „Kein Warten auf Mars-Flüge nötig – HPC-Potenzial auf der ISS entfaltet sich sofort.“
Priorität hat nun der reibungslose Betrieb. „Dieses Projekt ist selbst ein Experiment. Wir analysieren die Leistung im All gründlich und evaluieren alles nach der Rückkehr“, schließt Fernandez.