Gestern fiel die Amazon-Aktie um 4,4 Prozent, was einem Verlust von rund 31 Milliarden US-Dollar für das Unternehmen entsprach. Möglicher Auslöser: Ein Bericht von Axios, der den anhaltenden Wunsch von Präsident Donald Trump unterstreicht, gegen Amazon vorzugehen – eventuell mit kartellrechtlichen Maßnahmen. Fünf Quellen, die mit ihm über das Unternehmen sprachen, bestätigen dies. Eine sagte: „Er ist besessen von Amazon. Besessen.“
Ein anderer ergänzte: „Er hat laut gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt, Amazon mit Kartell- oder Wettbewerbsrecht zu verfolgen.“
31 Milliarden US-Dollar sind für Amazons Marktwert zwar ein Tropfen auf den heißen Stein und die Aktie wird sich rasch erholen. Dennoch lohnt ein Blick auf Trumps anhaltende Antipathie gegenüber Amazon und insbesondere CEO Jeff Bezos.
Der folgende Beitrag aus August 2017 beleuchtet Trumps persönliche Feindseligkeit gegenüber Bezos, der damals noch der zweitreichste Mann der Welt war.
Mitten in den Nachwirkungen von Charlottesville und den Spannungen mit Nordkorea fand Präsident Donald Trump Zeit für einen Tweet – nicht über seine Lieblingsthemen wie sich selbst, die Presse oder Russland, sondern über Amazon.
Amazon wird oft wegen seiner Steuerpraktiken kritisiert, doch Trumps Angriff war besonders persönlich geprägt.
… und das in nur vier kurzen Jahren.
Als erfahrener Wirtschaftsbeobachter sehe ich folgende Gründe:
1. Jeff Bezos besitzt die Washington Post
Hinter den Steuerkritiken steckt mehr: Trumps Abneigung gegen die Presse. 2013 erwarb Jeff Bezos die Washington Post, die intensiv gegen Kandidat und Präsident Trump berichtete. Sein erster Tweet fiel zeitgleich mit einem Faktencheck der Post, der Trumps Bin-Laden-Behauptung widerlegte.
Später drohte er: Amazon werde „solche Probleme haben“. Sogar einen Hashtag versuchte er:
#AmazonWashingtonPost
(Der Tweet folgte kurz auf eine Post-Enthüllung über ein gefälschtes Time-Cover mit Trumps Gesicht auf seinem Golfplatz – ein Fall von Fake News über echte News zu Fake News.)
Trumps Behauptung, Amazon gehöre die Post, ist irreführend: Sie gehört einer Bezos-kontrollierten Investmentfirma. Verluste dort helfen Amazon nicht steuerlich, könnten aber Bezos privat nutzen.
Bezos bot Trump zunächst einen Weltraumflug an, nach der Wahl einen versöhnlicheren Ton. Er wurde zu Trumps Tech-Treffen eingeladen, doch Freundschaft blieb aus. Vielleicht wegen…
2. Jeff Bezos hat Trump kritisiert
Bezos kritisierte Trumps Angriffe auf Hillary Clinton als demokratiegefährdend. Für Trump, der Kritik hasst – besonders von Reicherem – war das ein rotes Tuch.
3. Jeff Bezos ist deutlich reicher als Trump

Jeff Bezos war zeitweise der reichste Mensch der Welt mit rund 84 Milliarden US-Dollar. Trump? Etwa 3,5 Milliarden. Hätte er geerbtem Vermögen einfach investiert, wären es heute 10 Milliarden mehr. Neid auf Bezos’ Erfolg ist nachvollziehbar.
4. Politisch opportun
Trump ist pragmatisch. Amazon zu attackieren passt zu seiner Basis: Das System ist ungerecht, Amazon dominiert Märkte. Es lenkt zudem von Russia-Affäre, Gesundheitsreform oder Nordkorea ab.
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Trump riskiert jedoch, dass Bullying gegen den Zweitreichsten zurückschlägt – besonders bei einer möglichen 2020-Wahl gegen einen Top-Milliardär.
Bild: Jeff Mattis, Creative Commons