Nach der Einäscherung eines geliebten Menschen stellt sich die Frage: Was soll mit der Asche geschehen? Manche bewahren sie in einer Urne auf dem Kaminsims, andere streuen sie ins Meer, lassen sie in Diamanten verwandeln oder sogar in Feuerwerkskörper umfüllen. Das in Barcelona ansässige Unternehmen Bios bietet eine innovative Alternative: Spezielle Urnen, die als app-gesteuerte Pflanzgefäße dienen und aus den Überresten einen Baum wachsen lassen.
Das neueste Produkt ist der Bios Incube – ein stuhlgroßer Behälter, der Asche aufnimmt und gleichzeitig als intelligenter Inkubator für Pflanzenwachstum fungiert. Pflanzen Sie die biologisch abbaubare Bios-Urne einfach in die mit Asche, Erde und einem Baumsamen gefüllte Erde ein. Mit der Zeit keimt ein Schössling und wächst zu einem Baum heran.
Der Incube ist mit Sensoren ausgestattet, die Bodentemperatur, Feuchtigkeit, Luftqualität und Lichtverhältnisse überwachen. Über eine App erhalten Sie Echtzeit-Updates und Warnungen, etwa bei zu hohen Raumtemperaturen. Ein integrierter Wassertank sorgt für automatische Bewässerung. Während ähnliche smarte Pflanztöpfe existieren, ist hier der emotionale Wert entscheidend: Niemand möchte, dass der aus der Asche gewachsene Baum eingeht.
Mit seinem minimalistischen, weißem Design – das an ein futuristisches Krankenhaus erinnert – passt der Incube elegant in viele Räume. Er verrät sich nicht sofort als Aschegefäß, was Diskretion ermöglicht.
Wald der Erinnerung
Bios verleiht traditionellen Bestattungsritualen neue Bedeutung: „Die gängigen Strukturen dienen weder dem Einzelnen noch der Umwelt. Innovation ist der Weg nach vorn“, erklären die Entwickler.
Diese smarte Lösung wirft Fragen auf: Was bedeutet Tod in einer säkularen, digitalen Welt? Trotz High-Tech-Elementen greift der Incube auf uralte Symbole zurück – die Verbindung von Tod und neuem Leben durch Bäume, wie in ägyptischer, nordischer oder shintoistischer Mythologie. Ein Hauch Heidentum im 21. Jahrhundert.

Der Bios Incube richtet sich an Stadtbewohner ohne Garten, an Suchende nach Alternativen zu konventionellen Bestattungen und an alle, die eine bleibende Verbindung zu Verstorbenen wünschen. „Der Bestattungsplatz wird knapp – unser nachhaltiges Design löst dieses Problem“, betonen die Macher.
Für die volle Version des Incube fallen 550 US-Dollar (ca. 434 GBP) an, zuzüglich 145 US-Dollar (ca. 115 GBP) für die Urne. Im Vergleich zu durchschnittlichen Beerdigungskosten in Tausenden ist das erschwinglich. App-Benachrichtigungen könnten in der Trauerphase belastend wirken, bieten aber vielen Trost durch Wachstumsdaten – solange das Unternehmen besteht.
Kritiker mögen Apps und Sensoren bei Asche für unpassend halten. Doch die Idee von Tod und Wiedergeburt ist uralt. Der Bios Incube bringt sie ins Wohnzimmer – greifbar und lebendig.