Als der ehemalige Facebook-CEO Mark Zuckerberg Anfang des Monats zugab, dass das Unternehmen private Nachrichten einsehen kann, war das kein echter Schock. Doch es weckte Millionen Nutzer – einschließlich Regierungen – auf.

Die französische Regierung reagiert nun entschlossen: Sie plant einen eigenen Ende-zu-Ende-verschlüsselten Messenger-Dienst, um Datenschutzrisiken und Überwachung zu minimieren. Basierend auf frei verfügbarem Open-Source-Code startet der Dienst mit 20 Beamten. Nach Tests und Validierung soll er bis Sommer von allen französischen Bediensteten genutzt werden – ausschließlich für logistische und technische Informationen, nicht für sensible Daten.

„Wir brauchen einen verschlüsselten Dienst, der nicht von den USA oder Russland kontrolliert wird“, erklärte ein Sprecher gegenüber Reuters. „Nach dem Facebook-Vorfall müssen wir die Kontrolle übernehmen.“
Viele französische Beamte setzen derzeit auf WhatsApp (Facebook) oder Telegram (russisch). Präsident Emmanuel Macron organisierte 2017 seine Wahlkampagne via Telegram und nutzt es weiterhin, etwa für den Zoo-Besuch der First Lady.
Telegram-Gründer Pawel Durow geriet jedoch mit Russland aneinander: Nach dem Terroranschlag in St. Petersburg 2017 forderte Moskau Zugriff auf Verschlüsselungsschlüssel. Nach Verweigerung droht nun die Blockade und Entfernung aus App-Stores.
Gegenüber dieser Abhängigkeit und post-Facebook-Skandal macht Frankreichs Initiative Sinn. Bei Erfolg könnte der Dienst allen Bürgern geöffnet werden – ein Vorbild für andere Regierungen.