Plagiatssoftware, die üblicherweise Studenten beim Abschreiben erwischt, hat bei den Werken William Shakespeares eine bahnbrechende Entdeckung gemacht: eine bisher unbekannte Quelle für viele seiner ikonischen Stücke.

Laut The New York Times haben die Akademiker Dennis McCarthy und June Schlueter ein unveröffentlichtes Manuskript aus dem 16. Jahrhundert aufgespürt. Sie gehen davon aus, dass der große Dramatiker es als Vorlage für Stücke wie King Lear, Macbeth und Richard III nutzte.
In ihrem nächsten Woche bei der British Library und dem Verlag D. S. Brewer erscheinenden Buch belegen sie, dass Shakespeare vom Manuskript „A Brief Discourse of Rebellion and Rebels“ inspiriert wurde. Es stammt von George North, einer unbedeutenden Figur am Hof von Queen Elizabeth I.
Die Forscher sprechen nicht von Plagiat, sondern von klarer Inspiration. „Es ist eine Quelle, zu der er immer wieder griff“, erklärt McCarthy, ein erfahrener Shakespeare-Forscher, gegenüber der New York Times. „Sie prägt Sprache, Szenen und sogar die Philosophie der Stücke.“
Um den Einfluss zu validieren, speisten sie die Texte in das Open-Source-Tool WCopyfind ein – ein Programm, das vor allem für Plagiatsprüfungen in Aufsätzen genutzt wird. Es identifizierte gemeinsame Wörter und Phrasen.
Im Eröffnungsmonolog von Richard III etwa spiegelt sich eine Wortfolge aus Norths Widmung wider. Beide Texte thematisieren die Idee, dass äußere Hässlichkeit mit innerer Schönheit oder Bosheit korrespondiert – aus umgekehrten Perspektiven.
Die Todesbeschreibung des Rebellenführers Jack Cade in Heinrich VI., Teil 2 ähnelt einem Abschnitt über den historischen Cade und zwei weitere Rebellen in Norths Werk. Shakespeare habe diese Figuren zu einer verdichtet, vermuten die Autoren.
Shakespeare war Meister darin, Motive von Autoren wie Chaucer, Boccaccio oder Marlowe zu adaptieren. Die neuen Belege deuten stark darauf hin, dass Norths obskures Manuskript eine Schlüsselrolle bei seinen Meisterwerken spielte. Feinheiten des Einflusses bleiben freilich oft nebulos, doch die Parallelen sind überzeugend.
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