Panasonic, der renommierte japanische Elektronikriese, feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. In einer Branche, die von innovativen Startups dominiert wird, bleibt der Konzern durch seine bewährten Werte bestehen. Auf der IFA 2017 sprach unser Team mit Laurent Abadie, CEO und Vorsitzendem von Panasonic Europe, über die aktuelle Position und die strategische Ausrichtung des Unternehmens.

Abadie trat 2004 als stellvertretender Geschäftsführer von Panasonic Frankreich bei und übernahm 2009 die Leitung von Panasonic Europe. Zum Auftakt des Jubiläumsjahrs erläuterte er seine Vision für ein Zeitalter erneuerbarer Technologien.
Er beginnt mit einer Hommage an Panasonics Erbe: „Auch nach 100 Jahren sind unsere Kernwerte und Prinzipien lebendig – eine Rarität in der dynamischen Tech-Welt.“
„Panasonic investiert massiv in Forschung und Entwicklung für langfristige Herausforderungen. Wir sind mehr als ein reines Technologieunternehmen“, betont Abadie. Das Leitprinzip lautet: „Wie können wir die Welt und das Leben der Menschen verbessern?“ Der Konzern passt seine Strategie flexibel an globale Entwicklungen an.

(Laurent Abadie, CEO und Vorsitzender von Panasonic Europe)
„Vor zehn Jahren hätte niemand die Revolution in der Automobilbranche vorhergesehen. Die nächsten zehn Jahre bringen mehr Veränderungen als die letzten 100 Jahre“, prognostiziert er. Schlüsseltrends: Autonome Fahrzeuge, Elektrifizierung – Treiber einer massiven Transformation. Panasonic folgt diesen gesellschaftlichen Entwicklungen.
Die Elektrifizierung der Gesellschaft
Abadie schwärmt von erneuerbaren Energien und der Elektrifizierung der Gesellschaft. Dies spiegelt Panasonics Fokus wider: Der Energie-Bereich – von Speicherlösungen über End-to-End-Systeme bis hin zu Betriebs- und Wartungsdiensten – ist zentral. Das Unternehmen engagiert sich in Projekten wie der Solarversorgung von Macerichs Einkaufszentren und plädiert für den Rückspeisungseffekt ins Stromnetz.
Wir fragten nach Panasonics Rolle in den Erneuerbaren: Wie weit reicht die Vision, und betrifft sie auch das Vereinigte Königreich?
Abadie hebt globale CO₂-Reduktionsziele hervor: „Um diese ambitionierten Ziele zu erreichen, müssen wir die Elektrifizierung vorantreiben.“ Der Großteil der Energie stammt derzeit aus fossilen Quellen, Kernenergie schrumpft.
Deutschland führt: Laut Ernst & Young das drittattraktivste Land für Erneuerbare (nach China und USA). Im ersten Halbjahr 2017 deckte es 35 % seines Strombedarfs aus Erneuerbaren. Mit Giganten wie Siemens, Enercon oder Vestas ist die Branche hier etabliert.

(Deutschland als Vorreiter der Energiewende)
Das Vereinigte Königreich hinkt mit 8,9 % Erneuerbaren (2016) hinterher, Osteuropa ist im Aufbruch. „Erneuerbare Energien sind ein globales Thema.“
„Alle Autohersteller setzen auf Elektrofahrzeuge“
Hohe Kosten bremsen den Umstieg – trotz breiter Unterstützung. Abadies Lösung: „Die Amortisation der Investition sollte in unter fünf Jahren erfolgen, maximal sechs.“ Subventionen könnten helfen, doch der Automobilsektor beschleunigt am ehesten: „Alle Hersteller verlagern Ressourcen auf EVs.“
Panasonic liefert Batterien für Tesla und unterstützt den Wandel. Druck ist unnötig: „Autohersteller stehen unter enormem Druck durch CO₂-Vorgaben aus dem Pariser Abkommen – sie haben keine Wahl.“

(Panasonic-Batterien für Tesla und Elektrofahrzeuge)
Panasonic erleichtert den Übergang: „Traditionelle Hersteller mit mechanischem Know-how müssen nun Elektro- und Autonomietechnik meistern – eine enorme Herausforderung.“
Vorwärts
Panasonic wird zunehmend B2B-orientiert (ca. 70–75 % des Geschäfts), mit Partnerschaften in Energie, Automotive und mehr. Ursprünglich Unterhaltungselektronik, heute oft unsichtbar: „Wir liefern Inflight-Entertainment-Systeme – Technologie, Software und Services, ohne Eigenmarke.“
Vertrauen basiert auf jahrzehntelanger Expertise in Displays und Siebenproduktion. Das 100-jährige Unternehmen wirkt vital und zukunftsweisend – ein Titan mit sozialem Gewissen, bereit für die nächsten hundert Jahre.