Von Curtis Moldrich
Im Februar lud mich Mercedes-AMG zur Präsentation des Mercedes-AMG F1 W08 EQ Power+ ein – ihres bisher schnellsten und technisch fortschrittlichsten Formel-1-Wagens. Die Autos der Vorsaison waren bereits beeindruckend, doch die neuen Regeln für 2017 steigern Abtrieb und mechanischen Grip, sodass die Maschinen drei bis fünf Sekunden pro Runde schneller als 2016 unterwegs sind.
Jedes Formel-1-Auto ist eine Meisterleistung der Ingenieurskunst, doch der Mercedes W08 sticht heraus. Trotz starker Konkurrenz führt Mercedes die Konstrukteurswertung mit 475 Punkten vor Ferrari (373 Punkte). Kein Wunder, dass der W08 das aktuelle Highlight ist. Und letzte Woche durfte ich ihn – quasi – selbst fahren.
Eigentlich saß ich nicht im echten Wagen, sondern in der Mercedes-Zentrale in Brackley am originalen Simulator, den Lewis Hamilton und Valtteri Bottas nutzen – ebenso wie zuvor Nico Rosberg und Michael Schumacher. Statt eines alten Modells lud das Team eine präzise virtuelle Version des W08 auf der Strecke von Barcelona. Was folgte, war eines der intensivsten Erlebnisse meines Lebens. 
Der Simulator im Detail
Bevor ich vom Fahren erzähle: Der „Driver in the Loop“-Simulator von Mercedes-AMG ist ein High-Tech-Monster, das zwei Etagen eines Gebäudes einnimmt – weit entfernt von Consumer-Geräten wie dem Thrustmaster für die PS4.
Auf der oberen Ebene thront ein Kontrollraum voller Bildschirme mit Telemetrie-Daten, wo Simulator-Operatoren und Renningenieure von Hamilton und Bottas arbeiten.
Eine Etage tiefer wartet der Simulator selbst: Ein Raum mit riesigen, gekrümmten Bildschirmen an drei Seiten und einem maßgeschneiderten „Schlitten“ in der Mitte. Dieser von Mercedes entwickelte Mechanismus kostet über eine Million Pfund, bewegt sich in allen Achsen (für Gäste deaktiviert) und repliziert Cockpit und Front eines F1-Wagens exakt. Keine Räder oder Seitenkästen, aber Lautsprecher hinter dem Kopf und eine Halterung fürs Smartphone – seit Hamiltons Zeiten unverzichtbar, da Sessions bis zu sechs Stunden dauern können. 
Trotz unkonventionellem Äußeren passen die Innenmaße perfekt zum realen W08. Er nutzt die FIA-zugelassene ECU, ein Original-Lenkrad für 50.000 £ und Software auf Basis von rFactor Pro. Alle Fahrzeugdaten, Reifenmodelle und Physik stammen aus der hauseigenen Entwicklung der Mercedes-Ingenieure für höchste Realitätsnähe.
Startvorgang des Mercedes-AMG W08 EQ Power+
Nach der Beobachtung anderer Journalisten war ich dran. Der Einstieg? Eine Herausforderung: F1-Fahrer sitzen extrem zurückgelehnt. Man fällt quasi hinein, Beine voran – fernab der TV-Grace. Im Cockpit fühlt es sich an wie in einer Badewanne mit engen Beinfüßern und Headset.
Der Simulator bootet hoch, Sie schweben über der Strecke. Bremse festtreten (nur 1 cm Federweg), dann Neutral, Kupplungspedal halten, Gang 1 wählen. Bei passender Drehzahl (LEDs am Lenkrad) Kupplung lösen – danach nur noch Schaltwippen, es sei denn, Chaos bricht aus. 
Fahren mit dem Mercedes-AMG W08 EQ Power+
Erstes Highlight: Die Hybrid-Antriebsstrang-Beschleunigung. Aus Barcelonas letzter Schikane Gas geben – das Auto hebt ab. Die LEDs am Lenkrad fordern ständiges Hochschalten; die Kraft scheint endlos.
Die lange Gerade verschlingt sich binnen Sekunden. Vor Kurve 1 bremse ich 100 Meter raus – doch 60 Meter vor dem Apex stoppt es. Bremskraft atemberaubend! Nächste Runde: Später bremsen, mehr Tempo mitnehmen. Der Grip bricht Physikgesetze: Man rast in Kurven, doch das Auto hält. 
Schneller werden heißt Vertrauen in Grip und Abtrieb fassen. Je höher die Geschwindigkeit, desto mehr Bodenhaftung. Theorie einfach, Praxis stressig – doch richtig gemacht, berauschend. Erster Ausrutscher in T3: Heck bricht aus, Gegenkreuzen rettet mich.
Bremsen bleibt tricky: Minimale Wege, hohe Geschwindigkeiten – Blockiergefahr omnipräsent. Jede Runde verbessert sich: Später bremsen, flüssiger Gas geben, Abtrieb nutzen. Kleine Korrekturen, aber ich rette das Auto mehrmals. 
Ergebnisse und Fazit
Als es passt – spätes Bremsen, ideale Linien, perfekte Gänge – endet die Session. Ich bin schneller geworden, Bestzeit: 1:28.766 (Start: 1:38.347), drei Sekunden vor dem nächsten Journalisten. Weit von Hamiltons 1:20.511 Pole in Spanien, doch mit 5 % mehr Grip und 20 kg Fuel an Bord eine starke Leistung.
| Rundenzeit | Sektor 1 | Radarfalle 1 (km/h) | Sektor 2 | Radarfalle 2 (km/h) | Sektor 3 | Radarfalle 3 (km/h) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1:33.540 | 27.883 | 255 | 35.317 | 269 | 35.147 | 262 |
| 1:38.465 | 24.737 | 262 | 34.888 | 271 | 33.915 | 266 |
| 1:36.277 | 24.906 | 259 | 34.428 | 218 | 39.131 | 264 |
| 1:33.910 | 25.526 | 258 | 35.024 | 263 | 35.727 | 264 |
| 1:30.910 | 25.883 | 282 | 33.524 | 235 | 34.264 | 266 |
| 1:31.951 | 24.129 | 274 | 33.065 | 247 | 33.716 | 266 |
| 1:28.755 | 24.471 | 277 | 33.219 | 255 | 34.261 | 271 |
F1-Fahren? Wie ein normales Auto auf Steroiden – Leistung jenseits der Vorstellung. Erfolg basiert auf Vertrauen ins Auto, präzisem Brems-/Gas-Timing und Streckenkenntnis. Mit Übung könnte ich Sekunden herausholen, doch die Elite trennt Weltmeister voneinander.