Forscher der University of Manchester haben den größten neuromorphen Supercomputer der Welt, SpiNNaker, kürzlich aktiviert. Dieser Rechner kommt dem menschlichen Gehirn am nächsten, bleibt aber weit entfernt von dystopischen Szenarien wie dem kopfförmigen Monster aus The Matrix Revolutions – zum Glück.

Neuromorphe Supercomputer imitieren die biologischen neuronalen Prozesse des menschlichen Gehirns, indem sie elektrochemische "Spikes" – reine Energieimpulse – erzeugen. Dafür wurde SpiNNaker mit einer Million Prozessoren im Kern ausgestattet, was auf den ersten Blick übertrieben wirkt.
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SpiNNaker basiert auf der "Spiking Neural Network Architecture" (SpiNNaker) und emuliert die 100 Milliarden Neuronen unseres Gehirns. Aktuell leistet er 200 Billionen Aktionen pro Sekunde.
Im Unterschied zu konventionellen Computern, die Daten in großen Blöcken von A nach B übertragen, arbeitet SpiNNaker "menschlicher": Es verarbeitet Milliarden paralleler Aktionen simultan und versendet winzige Dateneinheiten an Tausende Ziele.
Professor Steve Furber, Erfinder des Konzepts und führender Experte an der University of Manchester, erklärt: "SpiNNaker revolutioniert das Computing. Wir haben eine Maschine geschaffen, die wie ein Gehirn funktioniert, nicht wie ein herkömmlicher Computer."
Durch seine gehirnähnliche Funktionsweise eröffnet SpiNNaker enorme Potenziale in Wissenschaft und Medizin. Er ermöglicht Echtzeitsimulationen, die auf anderen Systemen unmöglich sind – etwa der Basalganglien bei Parkinson-Patienten oder eines Kortex mit 80.000 Neuronen zur Analyse der Informationsverarbeitung. Zudem steuert er bereits den kleinen Roboter "SpOmnibot".
Der Bau dauerte 10 Jahre, die Idee entstand vor 20 Jahren. Die Entwickler skalieren SpiNNaker ambitioniert auf eine Milliarde Neuronen in Echtzeit – nur 1 % eines menschlichen Gehirns. Eine matrixähnliche Simulation? Noch lange nicht.