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Lektionen aus dem GoPro-Niedergang: Was Technologieunternehmen lernen können

GoPro befindet sich in einer Abwärtsspirale: Das Unternehmen hat kürzlich 250 Mitarbeiter entlassen – die dritte Runde innerhalb von 18 Monaten – und streicht Vorzeigeprojekte, während Aktienkurs und Gewinne einbrechen.

Lektionen aus dem GoPro-Niedergang: Was Technologieunternehmen lernen können

Der Ausstieg aus der Karma-Drohne markiert den neuesten Rückschlag für ein Unternehmen, das einst durch den Boom seiner Action-Kameras höchste Erwartungen weckte. Heute sucht GoPro nach einem Käufer, unterstützt durch JP Morgan.

Wo ist alles schiefgelaufen? Welche Lehren ziehen andere Tech-Firmen daraus?

Innovation und kontinuierliche Produktlaunches

Vor wenigen Jahren galt GoPro als Synonym für kompakte Action-Kameras mit einer Reihe erfolgreicher Modelle. Doch der Aktienkurs ist von 86 US-Dollar im Jahr 2014 auf 6,30 US-Dollar gefallen – ein Sturzflug, der an einen Fallschirmspringer ohne Kamera erinnert.

Experten identifizieren mehrere Fehlerquellen. „Preisreduktionen, Kannibalisierung eigener Produkte durch günstigere Varianten und eine langsame Anpassung an die Nachfrage nach besserer Software haben GoPro geschwächt“, analysiert Leo Sun, Tech-Experte bei The Motley Fool.

Ein zentrales Problem: Zu lange Pausen zwischen Produktlaunches, besonders vor der Weihnachtssaison. Kunden konnten keine Upgrades tätigen. „GoPro sollte Apple nachahmen und jährlich ein Produkt bringen, um Konsistenz zu schaffen“, rät Michael Pachter, Branchenexperte bei Wedbush Securities. „Die Verbesserungen reichten jedoch nicht, um Wachstum zu treiben. Irregularitäten bei Launches haben Innovation und Nachfrage unvereinbar gemacht.“Lektionen aus dem GoPro-Niedergang: Was Technologieunternehmen lernen können

Zudem zielte GoPro auf preissensitivere Kunden ab. Nach der 500-USDollarkamera Hero 4 folgte die Hero 4 Session (zunächst 400, dann 200 US-Dollar). „Rückblickend hat das die Marke entwertet und Kunden an 199-USDollarkameras gewöhnt, was Premiumpreise erschwert“, erklärt Pachter. „Apples Strategie wäre der bessere Weg.“

Außerdem konkurrierten Smartphones mit integrierter HD-Videoaufnahme. „Jeder Zielkunde hat bereits eine Kamera im Telefon“, betont Pachter. „Der Fokus auf Action-Sports beschränkt den Markt. Ob GoPro das überwindet, ist fraglich.“

Führungswechsel und Unternehmenskultur

Selbst charismatische Gründer müssen weichen, wenn das Schiff sinkt. Nick Woodman hielt seit dem Börsengang 2014 die Zügel fest und verteilte Ressourcen auf Nebenprojekte wie Content-Produktion, die das Kerngeschäft vernachlässigten.

Das Surf-Dude-Image passte anfangs, doch post-IPO brauchte es mehr Business-Fokus. Glassdoor-Rezensionen kritisieren: „Schlechtestes Management – der CEO ignoriert Rat und entlässt Massen.“ Ein anderer: „Verlasst euch nicht auf Nicks Bauchgefühl, sondern auf Daten.“

Auch die Kulturwandel wird bemängelt: Schnelles Wachstum ignorierte Verdienste früher Mitarbeiter. Eitelkeitsprojekte wie der Content-Kanal verschlangen Budgets, während Basislöhne niedrig blieben und teure Top-Manager von Microsoft oder Apple kamen.Lektionen aus dem GoPro-Niedergang: Was Technologieunternehmen lernen können

„Die Führungskultur musste sich ändern“, sagt Matthew Reyes, ehemaliger Projektmanager bei GoPro. „Manager stiegen über Freundschaften auf, nicht Kompetenz. Keine Karrierechancen für Vollzeitkräfte.“

Das zeigte sich bei der Medienabteilung: Frühe Leidenschaftsträger wurden durch hochbezahlte Profis ersetzt. „Auf dem Papier logisch, aber kulturelle Konflikte und Verschwendung folgten“, fährt Reyes fort. „Luxusautos und Gehälter schädigten das Startup-Feeling.“

Verpasste Chancen in neuen Märkten

Bei Diversifikation wie Drohnen (Karma) oder VR war GoPro stets verspätet. Karma litt unter Batterieproblemen und DJIs Mavic Pro mit Kollisionsvermeidung.

„Zwei Schicksalsschlag: DJIs Launch und der dreimonatige Ausverkauf durch Batteriefehler“, resümiert Ben Wood von CCS Insight.

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GoPro versperrte Entwicklern Hardware-Zugang. „Die Kameras haben enormes Potenzial mit Sensoren und Prozessoren“, sagt Reyes. „Offene Firmware wie Magic Lantern bei Canon wäre ideal, um Communities und Apps zu fördern.“

GoPro kommentierte nicht.

Noch Rettung möglich?

JP Morgan sucht Käufer, doch für Unabhängigkeit braucht GoPro Umdenken. „Zwei Prioritäten: Tadellose, vielseitige Hardware und intuitivste Software für Capture, Share und Storage“, rät Reyes.