Automatisierung stellt eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit dar. Die Sorge, dass Roboter Arbeitsplätze übernehmen, ist nicht neu, gewinnt aber durch Fortschritte in der KI und Robotik an Dringlichkeit.
Oft wird übersehen, wie entscheidend die Steuerpolitik hier wirkt. In Ländern wie den USA und Großbritannien begünstigt sie die Automatisierung – selbst wenn sie wirtschaftlich nicht überlegen wäre. Gleichzeitig sinken die Steuereinnahmen, da weniger Beschäftigte weniger Lohnsteuern zahlen. Jede Strategie gegen den Roboter-Aufstieg muss daher steuerliche Aspekte berücksichtigen.
Langjährig vernachlässigt, rückt die steuerliche Dimension der Automatisierung zunehmend in den Fokus. Letztes Jahr lehnte das Europäische Parlament eine 'Robotersteuer' ab, um Innovationen nicht zu bremsen. Südkorea hingegen führte als erstes Land Steueranreize für Automatisierungsinvestitionen ein. Die Debatte über Automatisierungssteuern ist noch am Anfang.
Wie Automatisierung Steuervermeidung begünstigt
In einem bald erscheinenden Beitrag in der Harvard Law and Policy Review zeigen wir: Bestehende Steuern fördern Automatisierung, auch wenn Menschen effizienter wären. Grund: Maschinen umgehen Lohnsteuern, die Sozialsysteme wie Medicare, Medicaid oder Social Security in den USA bzw. Sozialversicherungen in Großbritannien finanzieren. Arbeitgeber zahlen diese für menschliche Mitarbeiter.
In den USA gibt es zudem beschleunigte Abschreibungen für Automatisierungsanlagen – nicht für Löhne. Lohnsteuern sind erst bei Auszahlung absetzbar. So profitieren Firmen von frühen, hohen Abzügen bei Robotern.
Automatisierung schafft auch indirekte Vorteile: Menschen zahlen als Konsumenten Umsatz- oder Mehrwertsteuer. Arbeitgeber tragen oft Teile dieser Last durch Lohnanpassungen. Roboter konsumieren nicht und entgehen so diesen Steuern vollständig.
Am gravierendsten: Staatseinnahmen bröckeln. Lohn- und Verbrauchssteuern machen den Großteil aus; Unternehmenssteuern nur unter 9 % in den USA – nach dem Tax Cuts and Jobs Act 2017 noch weniger.
Ersetzen Firmen Menschen durch Maschinen, verliert der Staat Steuerpotenziale bei Arbeitnehmern. Höhere Gewinnsteuern gleichen das nicht aus. Expertenprognosen deuten auf Hunderte Milliarden Dollar entgangener Einnahmen jährlich hin.
Das Problem: Steuersysteme belasten Arbeit stärker als Kapital. Bei maschineller 'Arbeit' entstehen Verzerrungen.
Anreize abbauen
Wir empfehlen Maßnahmen zur Neutralisierung: Keine beschleunigten Abschreibungen mehr für Automatisierungsgeräte. Das gleicht Vorteile bei Lohnsteuern, Abzugsfristen und indirekten Steuern aus.
Eine 'Automatisierungssteuer' könnte auf Arbeitslosenversicherungen aufbauen: Firmen zahlen Extra-Beiträge bei Automatisierung auf Kosten von Jobs.
Steuererleichterungen für menschliche Arbeitskräfte würden Maschinen-Nachteile kompensieren und Einstellungen attraktiver machen.
Für Automatisierer: Eine Körperschaftsteuer auf 'selbständige Erwerbstätigkeit', analog zu Selbständigenabgaben. Basierend auf Gewinn zu Lohnkosten.
Zusätzlich könnte der Körperschaftsteuersatz steigen. Oft braucht es eine Kombination.
Effizienz steigern
Steuerneutralität zwischen Mensch und Maschine fördert Effizienz: Firmen wählen den Besten ohne Verzerrungen. Aktuell ersetzen sie aus Steuergründen – nicht immer optimal.
Neutralität löst nicht das Einnahmeproblem. Dafür bräuchte es eine Umkrempelung: Weniger Arbeit, mehr Kapital besteuern.
In der Übergangsphase schafft Neutralität faire Bedingungen. Stärkere Varianten könnten Automatisierung bremsen, wie Bill Gates vorschlägt: Verlangsamung nutzen, um Sozialleistungen zu finanzieren.
Automatisierung bringt Vorteile wie Sicherheit und Innovation. Ob Bremse sinnvoll ist, bleibt umstritten.
Ryan Abbott ist Professor für Rechts- und Gesundheitswissenschaften an der University of Surrey. Bret Bogenschneider ist Dozent für Finanzrecht und Ethik ebenda. Dieser Artikel erschien zuerst auf The Conversation.