Der Überschalltransport (SST) war ein Meilenstein der Luftfahrtgeschichte: Ein Traum, der in den 1960er Jahren Realität wurde, bevor er wieder zu einem wurde. Im Kalten Krieg-Kontext rangen USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich um die Vorherrschaft in der kommerziellen Überschalltechnologie. Letztlich setzten sich Großbritannien und Frankreich durch – mit der ikonischen Concorde. Flüge von London nach New York schrumpften auf unter 3,5 Stunden. Die Zukunft schien greifbar.

Doch seit 2003 ist kommerzieller Überschallflug Geschichte. Die Technologie dient nun vorwiegend Militär und Testzwecken. Was ging schief? Warum scheiterte SST wirtschaftlich und technisch – und könnte es zurückkehren?
Was ist Überschallflug?
Ein Überschallflugzeug übersteigt die Schallgeschwindigkeit von rund 1.235 km/h (767 mph). Diese Technik dominiert im Militärbereich, wo Kampfflugzeuge routinemäßig Überschallgeschwindigkeiten erreichen.
Überschallflug ist eine von vier Geschwindigkeitskategorien: Subsonisch (unter Mach 1), Überschall (über Mach 1), Transsonisch (nahe Mach 1) und Hyperschall (über Mach 5). Das Mach-System misst Geschwindigkeiten relativ zur Schallgeschwindigkeit.

(Oben: Russlands Tupolew Tu-144)
Für den Zivilverkehr gab es nur zwei SST-Modelle: die anglo-französische Concorde und die sowjetische Tupolew Tu-144. Beide starteten Ende der 1960er, kamen Ende der 1970er in den Passagierdienst. Nach Testabstürzen flog die Tu-144 nur 55 Mal, dann Ruhe. Die Concorde blieb bis 2003 einzigartig.
Wie funktioniert Überschallflug?
Das Flugzeug muss schneller als Mach 1 beschleunigen. Das Design bewältigt enormen Luftwiderstand, Reibungshitze und erfordert immense Schubleistung.
Die Concorde erreichte Reisegeschwindigkeiten knapp über Mach 2 mit Olympus-593-Turbojets und Nachbrennern. Eine hitzebeständige Aluminiumlegierung hielt Temperaturen bis 127 °C stand.

(Oben: Concorde mit der herabhängenden Nase)
Das Delta-Ogival-Flügeldesign optimierte den Hochgeschwindigkeitsstrom. Die ikonische "herabhängende Nase" senkte sich für Start und Landung, hob sich für aerodynamische Perfektion im Überschall.
Warum endete die Concorde-Ära?
Anfang des 21. Jahrhunderts flog nur noch die Concorde. Ihr letzter Flug: 2003.
Ein Absturz im Juli 2000 bei Paris (109 Tote an Bord, 4 am Boden) stoppte den Betrieb bis 2001. Der 11. September verschärfte die Krise.

Strukturelle Probleme: Der Überschallknall brach Fenster und beschränkte Flüge auf Ozeane. Hohe Flughöhen bedrohten die Ozonschicht, Kraftstoffverbrauch limitierte Routen auf Transatlantik. Tickets kosteten bis 12.000 USD (9.000 £). Wirtschaftlich untragbar.
Unternehmen wie Boom Supersonic prüfen ein Revival – doch dieselben Hürden lauern: Skalierbarkeit, Kosten, Lärm und Regulierung.
Überschallflüge schneller als Concorde: Start früher als gedacht?
Neue Entwicklungen deuten auf ein Comeback hin. Boom Supersonics XB-1 hat 76 Vorbestellungen (via The Market Mogul/Business Insider). Sie erreicht 2.715 km/h (1.687 mph), transportiert 55 Passagiere London–New York in 3:15 Std.

(Oben: Boom Supersonics XB-1)
Schneller, kleiner, leiser – ohne störenden Knall. Testversion bis Ende 2018, volle Größe bis 2025. Hürde: US-Überlandverbot für Überschall. Aufhebung könnte den Weg ebnen.