Angst ist eine natürliche Reaktion. Leicht bedrückt spüren wir sie bei Prüfungsergebnissen, dunklen Gassen oder unerwiderter Liebe. Verstärkt kann sie zur schweren Belastung werden – wie der Dämon in Henry Fuselis Gemälde The Nightmare.

„Dinge fallen auseinander; das Zentrum kann nicht halten“, schrieb W. B. Yeats. Bei Angst wirkt die Welt zerbrechlich und chaotisch. Medizinisch spricht man von generalisierter Angststörung (GAD), wenn diese Gefühle das tägliche Leben dominieren, Arbeit, Schlaf und Atmen erschweren.
Digitale Technologien und die damit verbundenen sozialen Muster haben unsere Angstbeziehung nachhaltig verändert. Ständige E-Mail-Verfügbarkeit, Social Media und 24/7-Nachrichtenzyklen überfluten uns mit Informationen und dem Selbstverkauf von Freunden und Kollegen.
Eine Umfrage von Plan International UK zeigt: Fast die Hälfte der Mädchen im Alter von 11 bis 18 Jahren fühlt sich durch Social Media gezwungen, sich auf bestimmte Weise zu präsentieren oder zu verhalten. Eine Studie des University College London und des Anna Freud Centre (2015) meldet zudem einen Anstieg emotionaler Probleme bei 11- bis 13-jährigen Mädchen in England um 55 % zwischen 2009 und 2014.
Der Grund liegt tiefer als bei einzelnen Apps wie Snapchat oder Instagram: Kulturelle Ablenkungen, schulischer Druck und sexualisierte Darstellungen in Social Media spielen eine Rolle.
Trennungsangst
„Neue Technologien wie Smartphones verbinden uns unglaublich, können aber auch Ängste schüren“, betont Nicky Lidbetter, CEO von Anxiety UK. „Sie erzeugen Trennungsangst oder erschweren das Abschalten. Balance ist entscheidend.“
Plattformen wie Facebook und Twitter fördern ständige Interaktion durch Benachrichtigungen und Symbole. Diese gewohnheitsbildenden Mechanismen konditionieren das Gehirn, was zu Suchtverhalten, Kontrollzwang und Isolation führen kann.
Berufsangst
Am Arbeitsplatz verschwimmen Grenzen durch E-Mails und Videocalls rund um die Uhr. Smartphones machen Abschalten unmöglich. Unternehmen wie Psious aus Spanien nutzen VR und AR jedoch positiv: Gründer Xavier Palomer entwickelte Expositionstherapie gegen Phobien, z. B. virtuelle Schlangen. Heute hilft die Technik bei Entspannung, besserem Sprechen und Stressreduktion.
Vorsicht: Technik gegen technikbedingte Angst birgt Risiken. Bewährte Säulen wie Bewegung, sozialer Kontakt und Neugier sind nachhaltiger.
Beziehungs- und sexuelle Angst
Psychosexuelle Therapeutin Marian O’Connor von Tavistock Relationships warnt: Technik trennt Paare, selbst im selben Raum. Partner chatten mit anderen, was Misstrauen schürt. „Woher wissen Sie, ob Ihr Partner loyal ist?“
Dating-Apps wie Tinder erweitern Optionen, fördern aber Objektifizierung. O’Connor: „Das depersonalisiert Beziehungen, führt zu Körperfeindlichkeit, Depressionen und geringem Selbstwert.“

Angst überwinden
Das Bewusstsein wächst: Viele testen Social-Media-Detox (siehe The Guardian). Lidbetter rät: „Achten Sie auf Nutzungszeit und Stimmungsveränderungen. Regelmäßige digitale Pausen helfen.“
„Achten Sie auf Ihre Social-Media-Zeit – das schafft Balance“
Apps wie Headspace (Kooperation mit Anxiety UK) fördern Achtsamkeit. Vergleichen Sie sich nicht mit gefilterten Online-Leben. Folgen Sie den „Five Ways to Wellbeing“ des UK Government Office for Science: Persönliche Kontakte, Aktivität, Lernen, Neugier, Geben.
Nehmen Sie Bildschirmpausen: Spaziergang ohne Handy, Gespräche statt Scrollen. Lidbetter: „Balance ist der Schlüssel.“