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Fairphone 1: Warum Nachhaltigkeit und Smartphones kollidieren – Support endet nach 3,5 Jahren

Eine unangenehme Wahrheit: Unsere Leidenschaft für Gadgets schadet dem Planeten massiv. Smartphones sind besonders problematisch, da Marketingabteilungen eine Lebensdauer von nur zwei Jahren propagieren. Das angebliche 'Recycling' alter Geräte klingt grün, hat aber wenig mit realer Kreislaufwirtschaft zu tun – ähnlich wie industrielle Landwirtschaft mit Old MacDonald hatte eine Farm.

Fairphone wollte dies ändern: Mit dem ersten 'fairen' Smartphone fokussierte das Unternehmen auf Langlebigkeit durch Ersatzteile und langfristigen Support. Gleichzeitig adressierte es ethische Probleme in der Lieferkette – von konfliktfreien Mineralien bis zu besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen für Montagearbeiter.

Bei Ethik und Arbeitsbedingungen gab es Fortschritte, doch Langlebigkeit blieb beim Fairphone 1 auf der Strecke. Dieses Wochenende stellte Fairphone den Support nach dreieinhalb Jahren ein – seit Verkauf der ersten Charge. Das ist besser als bei vielen Vertragshandys, doch begrenzte Produktionsläufe (Ende 2013, Mai 2014, Februar 2015) bedeuten: Spätere Käufer hatten weniger Zeit.

'Wir haben den Punkt erreicht, an dem Support für unser erstes Telefon unmöglich ist', erklärt CEO Bas van Abel in einem Blogpost. Begrenzte Budgets und fehlende Kaufkraft machten eine nachhaltige Lieferkette unerhaltbar.

'Unser Fertigungspartner Guohong managte die Lieferkette. Nach Produktionsende brach die Beziehung ab', fährt van Abel fort. 'Wir kontaktierten Lieferanten einzeln für Ersatzteile, bestellten basierend auf Schätzungen. Doch die Elektronikbranche wandelt sich rasch: Viele Originalteile wurden ausgemustert. Neue Lieferanten zu finden scheiterte an Mindestbestellmengen, die unser Budget übersteigen.'

Die harte Realität

Fairphone funktioniert nur, wenn die Branche mitzieht – was selten der Fall ist. Selbst wenn Ihr Fairphone 1 läuft, birgt es Risiken: Seit Jahren versprochenes Android-4.4-Update (KitKat, seit Oktober 2013 verfügbar) wurde eingestellt. Neuere Apps könnten fehlschlagen, Sicherheitslücken offen bleiben. Mobile Sicherheit ist besser als beim PC, doch Seelenfrieden opfert man für Umweltschutz.

Siehe dazu: Menschen haben seit 1950 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert – und die Hälfte in den letzten 13 Jahren. Das Fairphone-Modell scheitert an kleiner Basis: Kein Anreiz für Große, nachhaltig zu produzieren. Fairphone 2 ist modularer (alle Teile außer CPU austauschbar), doch irgendwann wird die Snapdragon-801-CPU zum Bottleneck. Fortschritt lässt sich nicht stoppen.

Fairphone 1: Warum Nachhaltigkeit und Smartphones kollidieren – Support endet nach 3,5 Jahren

Fairphone 2 soll fünf Jahre Support bekommen – wir bleiben skeptisch. Langfristiger Support kostet, besonders gegen den Trend großer Player wie Samsung oder Apple. Ironie: Diese könnten es leisten, tun es aber nicht. Fairphone sucht externe Finanzierung.

Fairphones Ambitionen sind lobenswert, doch der Support-Ende für Fairphone 1 enttäuscht Kunden: 'Das widerspricht Ihren Kaufversprechen – wie bei anderen Herstellern', kommentiert ein Nutzer. Verglichen mit Gewinnmaximierern sticht das.

Bilder: Sandra Fauconnier und Kaihsu Tai, unter Creative Commons verwendet