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Gelähmte Patienten steuern Android-Tablets per Gehirn-Computer-Schnittstelle – Studie in PLOS One

Für Menschen mit Lähmungen an Armen oder Händen sind touchbasierte Geräte oft schwer zugänglich. Neue Forschung ermöglicht nun die Steuerung von Tablets über eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (BCI) – ein Meilenstein für Inklusion.

Gelähmte Patienten steuern Android-Tablets per Gehirn-Computer-Schnittstelle – Studie in PLOS One

Die Studie, veröffentlicht in PLOS One, beschreibt, wie Forscher Multi-Elektroden-Arrays im motorischen Kortex von drei Patienten mit Tetraplegie einsetzten. Tetraplegie führt zu teilweisem oder vollständigem Bewegungsverlust in allen vier Gliedmaßen und dem Oberkörper. Die Probanden konnten so gängige Android-Tablets für vielfältige Aufgaben nutzen.

Innerhalb von drei Tagen beherrschten die Teilnehmer das System: Sie surften im Internet, sandten Nachrichten, spielten ein virtuelles Klavier in einer App und eine Person orderte sogar Lebensmittel online nach Hause.

Das Tablet interpretierte BCI-Signale als Bluetooth-Maus-Eingaben, was Funktionen wie Surfen, Tippen auf Pop-up-Tastaturen und App-Nutzung ermöglichte. Einschränkungen bestanden bei Scrollen oder Fenstergrößenänderung, die Zwei-Finger-Gesten oder Mausrad erfordern. Dennoch ein signifikanter Fortschritt in der Barrierefreiheit.

Die Forscher empfehlen zusätzliche Android-Zugänglichkeitsfeatures und Tastatur-Optimierungen für BCI-Nutzer. Mit Vorhersagefunktionen erreichten die Probanden Tippgeschwindigkeiten von 24, 14 bzw. 31 Zeichen pro Minute – ohne Vorhersage deutlich niedriger.

An einem Tag chateten zwei Teilnehmer miteinander und mit Forschern. Dieser BCI-Durchbruch bricht Barrieren für Technologienutzung auf. Bemerkenswert: Die Elektroden waren bereits vier Monate bis fast drei Jahre alt und funktionierten zuverlässig.