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Sexroboter: Bedrohung für Empathie und Menschlichkeit oder Chance zum Guten?

von Emma Sims

Sexroboter sind keine Randerscheinung mehr, sondern rücken zunehmend in den Fokus der Gesellschaft. Welche Folgen hat das für uns Menschen?

Was ist ein Roboter? „Ein Handelsgut mit Gesicht“, erklärt Kathleen Richardson, Professorin für Ethik und Kultur von Robotern und KI an der De Montfort University, mit Nachdruck. „Das ist es wirklich. Es ist hergestellt, ein Produkt mit Gesicht.“ Die Vorstellung, mit einem Roboter eine echte Beziehung einzugehen – eine, die Intimität, Vertrauen, Engagement und gegenseitiges Verständnis erfordert –, hält sie für illusorisch. Mehr noch: Sie sieht darin eine Gefahr für das Konzept der Menschlichkeit.

Sexroboter, oder Sexbots, gewinnen an Boden. Fernsehsendungen wie Humans von Channel 4 oder die gefeierte HBO-Serie Westworld zeigen humanoide Roboter in scheinbar menschlichen Beziehungen. Ähnlich fasziniert Die Frauen von Stepford – Roman von 1972 und Filme von 1975 sowie 2004 – mit ihren Fembots. Sogar Ryan Gosling thematisierte das in Lars and the Real Girl (2007), wo eine aufblasbare Puppe als Vorläufer dient.

Sexbots sind jedoch keine Fiktion: Sie sind greifbare Produkte – anthropomorphe Roboter für sexuelle Befriedigung –, die in den Mainstream sickern. Wie bei neuen Technologien fehlt es an Präzedenzfällen, was die Bewertung langfristiger Auswirkungen erschwert.

Sexroboter: Bedrohung für Empathie und Menschlichkeit oder Chance zum Guten?

(Aus Westworld, Staffel 1. Quelle: HBO)

Professorin Richardson kämpft mit ihrer Campaign Against Sex Robots dagegen an. Als Expertin mit regelmäßigen Auftritten bei TEDx, Web Summit und einem Buch An Anthropology of Robots and AI ist sie eine Autorität. Ihre Arbeit begann am MIT, wo sie beobachtete, wie Beziehungen auf unmenschliche Objekte projiziert werden – eine Form der Automatisierung, die Empathie vortäuscht.

„Ich habe Jahre gebraucht, um zu verstehen, was passiert, wenn wir aufhören, uns menschlich zu verbinden“, reflektiert sie. Ihre Kampagne warnt: „Sexroboter reduzieren die menschliche Empathie, die nur durch echte Beziehungen entsteht.“

Sie verknüpft das mit ihrer Anti-Pornografie-Position. Sexbots verkörpern Machtungleichheiten aus Pornografie, Prostitution und Ausbeutung. „Ohne diese können sie nicht existieren. Sie basieren auf fundamentaler Ungleichheit.“

Sexroboter: Bedrohung für Empathie und Menschlichkeit oder Chance zum Guten?

(Bildnachweis: Alphr/Monique Woo)

Sexbots spiegeln pornografische Ideale wider: vollbusig, schmalhüftig, mit verengter Vagina. Doch es geht um mehr – um patriarchale Strukturen. „Wir schaffen Ungleichheit ohne Empathie und übertragen sie auf Technologie.“ Sie sind ein- und ausschaltbar, stumm und programmierbar, was reale Objektivierung fördern könnte.

Pseudo-Beziehungen

Pseudobeziehungen zu Sexbots basieren auf einseitiger Macht. Wenn das normalisiert wird, leidet der Umgang untereinander. „Die Idee, dass wir uns trotzdem richtig verhalten, ist falsch“, warnt Richardson.

„Sie können ihren Penis an einem Bücherregal reiben“

Händler nutzen anthropomorphe Illusionen, um Patriarchat zu verstärken. Richardson hat nichts gegen Masturbation einzuwenden: „Gegen Bücherregale gibt’s keine Kampagne.“ Der Unterschied: Roboter wirken menschlich.

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Diese Illusion gefährdet echte Beziehungen, verstärkt Objektivierung und erodiert Empathie. „Es steht brillant menschlichem, liebevollem Verhalten im Weg.“

Sexroboter: Bedrohung für Empathie und Menschlichkeit oder Chance zum Guten?

(Bildnachweis: Realbotix)

Bei Self-Checkouts unterscheiden wir klar zwischen Maschine und Mensch. Warum nicht bei Sexbots? „Sie sind keine intime Beziehung“, betont sie.

Sexroboter oder Liebesroboter?

RealDoll verkauft Sexpuppen; Realbotix erweitert mit KI, Sensoren und VR. „Harmony“ kostet 7.600 bis 15.200 £, mit Anpassungen inklusive 50 Brustwarzen-Typen und Persönlichkeiten wie „fröhlich“ oder „schüchtern“.

Sexroboter: Bedrohung für Empathie und Menschlichkeit oder Chance zum Guten?

(Bildnachweis: Realbotix)

Problematisch: „Frigid Farrah“ von Roxxxy simuliert Ablehnung – als „Trainingsmodus“, doch ethisch fragwürdig. True Companion betont Lernen, aber Kritiker sehen Normalisierung von Missbrauch.

Ein Bericht der Foundation for Responsible Robotics (2017, mit Noel Sharkey) sieht Potenzial: Therapie bei Dysfunktionen, Linderung von Einsamkeit bei Älteren.

Sexroboter: Bedrohung für Empathie und Menschlichkeit oder Chance zum Guten?

(Bildnachweis: Alphr/Monique Woo)

„Unsere Menschlichkeit entsteht durch Beziehungen“

Richardson widerspricht: Sexbots vermenschlichen Maschinen und perpetuieren Ungleichheit. „Wir brauchen einander – unsere Menschlichkeit entsteht in Beziehungen.“

In einer Welt mit käuflichen Sexpartnern: Was bleibt von Empathie und gegenseitiger Wärme?