Das Ergebnis der US-Wahlen überraschte viele – inklusive des designierten Präsidenten – nicht jedoch das KI-System MogIA. Dieses prädiktive Tool aus der künstlichen Intelligenz übertraf die meisten professionellen Meinungsforscher und nannte den Wahlsieg von Donald Trump korrekt.

Ein konkurrierendes System namens UNU prognostizierte Hillary Clintons Sieg bei der Volksabstimmung, was eintraf, und sagte zudem das notorisch schwierige Kentucky Derby richtig voraus.
Beide Systeme basieren auf menschlicher Intelligenz: MogIA analysiert öffentliche Social-Media-Daten, während UNU Befragte einbezieht und deren Meinungen in einem 'Schwarmintelligenz'-System verstärkt.
KI mit neuronalen Netzen imitiert das Zellnetzwerk des Gehirns, erklärt Louis Rosenberg, Gründer von Unanimous AI, dem Schöpfer von UNU. Schwärme sammeln hingegen Informationen über Netzwerke von Menschen.
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'Es handelt sich um eine aufstrebende Intelligenz, moderiert durch Software, die die Weisheit, Einsichten und Intuition menschlicher Agenten nutzt', sagt Rosenberg. 'Diese künstlich intelligenten 'Menschenschwärme' sind extrem schlau. Sie übertreffen Einzelpersonen, Experten und einfache Methoden wie Umfragen oder Märkte.'
Es geht nicht nur um den Durchschnitt menschlicher Vorhersagen, wie bei herkömmlichen Umfragen. Beim Kentucky Derby bildete UNU einen Schwarm aus 20 Personen. Ein simpler Mehrheitsentscheid hätte nur einen der vier besten Finisher erwischt. 'Wir verstärken individuelle Intelligenz zu einem einheitlichen, emergenten Intellekt jenseits natürlicher Grenzen', erklärt er.
Filterblasen knacken
Dr. Chris Brauer, Direktor für Innovation an der Goldsmiths, University of London, betont: KI ist im Kern Mathematik in Aktion. 'Wettervorhersagen haben sich durch bessere Datenquellen, Satelliten und Rechenleistung revolutioniert.'
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'Ähnlich verbessern sich Prognosen für komplexe Systeme wie Wahlen durch kontinuierliche Datenanalyse. Traditionelles Polling wirkt dagegen primitiv.'
Menschen werden von Hoffnungen und Annahmen behindert. 'KI durchbricht Filterblasen', sagt Brauer. 'Algorithmen, die Filterblasen erzeugen, können bei Vorhersagen paradoxerweise Unbekannte besser handhaben als wir.'
Intelligenter Schwarm?
Wie leistungsfähig sind diese Systeme? Rosenberg: 'Schwarmintelligenz übertrifft 90 bis 99 Prozent der Individuen und schlägt Umfragen in fast allen Fällen – trotz weniger Teilnehmern.'
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Einschränkungen gibt es: 'Optimal für komplexe Probleme mit vielen Ausgängen. Bei binären Entscheidungen ähnelt es Umfragen.'
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Maschinen haben Grenzen: 'Diese Systeme sind nicht narrensicher oder objektiv', warnt Brauer. 'Algorithmische Bias sind gefährlicher, da wir Maschinen blind vertrauen. Lernsysteme in der 'Wildnis' von Daten laden maschinelle Ethikprobleme ein.'
Wetten auf KI
Neben Rennen und Wahlen eignen sich UNU & Co. für Marktforschung, Finanzprognosen und medizinische Diagnosen.
Bringt KI Buchmacher ums Geschäft? 'Nein', meint Rosenberg. 'Sie macht Wächter schlauer und verändert Quoten.'