Als Dermatologen und Hautforschungsexperten wissen wir: Tätowierungen begleiten die Menschheit seit der Antike, doch ihre biologische Beständigkeit war lange ein Rätsel. Eine bahnbrechende Studie französischer Immunologen vom Centre d’Immunologie de Marseille-Luminy unter Leitung von Sandrine Henri und Bernard Malissen hat nun den Schlüsselmechanismus geknackt – mit Potenzial für revolutionäre Fortschritte in der Tattoo-Entfernung.

Früher hielt man Fibroblasten in der Dermis für die Pigmentträger. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch: Es sind Makrophagen, Immunzellen, die das Tintentpigment bei der Tätowierung aufnehmen – ähnlich wie bei der Abwehr von Erregern.
Die Forscher tätowierten gentechnisch modifizierte Mäuse und eliminierten gezielt die dermalen Makrophagen. Erwartungsgemäß sollte das Tattoo verblassen – doch nichts geschah.

(Tätowierter Maus-Schwanz vor [links] und nach [rechts] Eliminierung dermaler Makrophagen. Quelle: Baranska et al.)
Bei Absterben geben die Makrophagen das Pigment frei, das prompt von neuen Makrophagen eingefangen wird. So entsteht ein Endloskreislauf aus Aufnahme, Freisetzung und Wiedereinfang, der die Tätowierung dauerhaft erhält.
Zur Bestätigung transplantierte das Team tätowierte Haut auf eine zweite Maus: Nach sechs Wochen trugen Empfängermakrophagen das meiste Pigment.

(Grünes Tattoo-Pigment in dermalen Makrophagen [links], freigesetzt nach Zellabtötung [rechts], dann von neuen Zellen eingefangen. Bildnachweis: Baranska et al.)
Diese Entdeckung revolutioniert die Tattoo-Entfernung. Aktuelle Lasertherapien zertrümmern Pigmente, doch Makrophagen fangen Fragmente wieder ein – Grund für multiple Sitzungen und Resistenzen. Bernard Malissen erklärt gegenüber Alphr: „Laserpulse lysieren Zellen, fragmentieren Pigmente und fördern Lymphabtransport. Doch Fragmente bleiben oft lokal und werden reabsorbiert – wie unsere Studie belegt.“
Lösung: Laser mit temporärer Makrophagen-Ablation kombinieren. So können Pigmentfragmente lymphatisch abfließen, ohne Rekapture. Dies könnte auch bei Hyperpigmentierungen helfen. Verblassen natürlicher Tattoos erklärt Malissen durch minimale Verluste im Zyklus.
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