Handys tragen wir stundenlang in der Tasche oder halten sie ans Ohr – idealerweise ohne gesundheitliche Risiken. Wissenschaftliche Gewissheiten sind rar, da Langzeitstudien fehlen und Tests komplex sind. Eine aktuelle Rattenstudie des National Toxicology Program (NTP) gibt jedoch Grund zur Beruhigung: Bei realistischen Expositionen droht kein Schaden. Kurzfristig zumindest.

Das Zögern rührt daher, dass nicht alle Ratten unbeschadet blieben. Eine Untersuchung zeigte Herz Tumore bei Männchen, nicht bei Weibchen. In einer Folgestudie traten jedoch bei beiden Geschlechtern keine Effekte auf. Wichtig: Die Ratten erhielten extrem hohe Dosen hochfrequenter Strahlung (RFR) – weit über dem, was Menschen beim intensivsten Smartphone-Gebrauch ausgesetzt sind.
Konkret: Die Tiere wurden zwei Jahre lang täglich neun Stunden mit 1,5 bis 6 Watt pro Kilogramm bestrahlt – einem 70-Jahre-Menschen äquivalent. "Das Niveau und die Dauer der Exposition waren viel höher als bei Menschen, auch bei starker Nutzung, und betrafen den ganzen Körper", erläutert NTP-Wissenschaftler John Bucher, Ph.D. "Die Tumore ähneln denen aus Studien zu intensiver Handynutzung beim Menschen."

Weitere Einschränkungen: Die Tests nutzten 2G- und 3G-Signale, nicht 4G oder 5G. Ratten sind kein perfektes Modell für Menschen – viele Ratten-Therapien scheitern klinisch. Ihre kurze Lebensdauer (max. 3 Jahre) limitiert Langzeitprognosen.
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Die FDA ist zufrieden: "Keine ausreichenden Beweise für gesundheitliche Risiken bei oder unter Grenzwerten", erklärt Direktor Jeffrey Shuren. "Selbst bei täglicher Nutzung kein Anstieg von Hirntumoren. Die Grenzwerte schützen die Gesundheit."
Dr. Otis Brawley von der American Cancer Society stimmt zu: "Die Evidenz für einen Krebs-Link ist schwach. Kein erhöhtes Risiko bei Menschen. Bei Sorge: Verwenden Sie einen Ohrhörer."
Zur Info: Strahlung variiert je Modell. Dieses Statista-Diagramm zeigt Unterschiede.
