Vorbei sind die Zeiten, in denen man vor dem Fernseher warnte, dass die Augen eckig werden.

Heute dominieren schwarze Bildschirme in Smartphones, Laptops, Tablets und anderen Geräten unser Zuhause. Dies weckt Bedenken, wie digitale Medien das Denken von Kindern beeinflussen. Die American Academy of Pediatrics (AAP) empfiehlt daher für Kinder von 2 bis 5 Jahren maximal eine Stunde Bildschirmzeit pro Tag.
Eine aktuelle Studie des Oxford Internet Institute und der Cardiff University stellt diese Richtlinien infrage. Basierend auf Daten von 20.000 Elterninterviews zu Kindern im Alter von 2 bis 5 Jahren untersuchten die Forscher Zusammenhänge zwischen eingeschränkter Technologienutzung und Faktoren wie Bindung zu Bezugspersonen, emotionaler Belastbarkeit, Neugier sowie positiver Stimmung.
Die Ergebnisse, publiziert in der Zeitschrift Child Development, zeigen: Strenge Grenzen wie die der AAP finden keine Evidenzunterstützung. Bei Jugendlichen könnte moderate Bildschirmnutzung über den empfohlenen Limits sogar mit höherem Wohlbefinden einhergehen. „Die Beweise unterstützen nicht die Umsetzung solcher Grenzwerte“, schreiben die Autoren.
"Zusammengenommen gibt es wenig oder gar keine Unterstützung dafür, dass digitale Bildschirme allein das psychische Wohlbefinden kleiner Kinder schädigen", erklärt Studienleiter Dr. Andrew Pryzbylski vom Oxford Internet Institute. „Entscheidend ist vielmehr der familiäre Kontext: Wie Eltern Regeln setzen und ob sie gemeinsam die digitale Welt erkunden.“
Weitere Forschung sollte beleuchten, wie gemeinsame Nutzung mit Eltern die Neugier, Bindung und das Wohlbefinden fördert.
Die Studie plädiert nicht für unbegrenzte Bildschirmzeit. Inhalte wie Social Media können problematisch sein. Eine Untersuchung des University College London und Anna Freud Centre (2015) zeigte, dass emotionale Probleme bei 11- bis 13-jährigen Mädchen in England von 2009 bis 2014 um 55 % zunahmen. Plan International UK fand: Fast die Hälfte der 11- bis 18-Jährigen fühlt durch Social Media Druck, sich auf bestimmte Weise zu präsentieren.
„Social Media durchdringen Bildung, Freundschaften und Freizeit“, betont Tanya Barron von Plan International UK. „Sie sind Quelle von Freude und Angst zugleich. 45 % der Mädchen spüren den Druck, perfekt auszusehen oder zu wirken. Dennoch haben Mädchen das Recht, online aktiv zu sein.“
Die Debatten toben: Frankreich verbietet Smartphones in Schulen ab September. Facebook gibt zu, dass passives Scrollen das Wohlbefinden mindert, plädiert aber für aktive Interaktionen. „Wir können die Digitalisierung nicht rückgängig machen“, sagt Mitautorin Dr. Netta Weinstein von der Cardiff University. „Forschung muss klären, wie Bildschirmzeit Kinder beeinflusst.“