‘Oumuamua, der rätselhafte interstellare Asteroid, der unsere Vorstellungen von Himmelskörpern herausfordert, wird nun intensiv untersucht. Das Green-Bank-Teleskop in West Virginia sucht nach Funksignalen, die auf künstlichen Ursprung hindeuten könnten.
"Höchstwahrscheinlich ist es natürlichen Ursprungs, aber aufgrund seiner Einzigartigkeit prüfen wir auf Anzeichen künstlicher Technologie wie Radioemissionen", erklärt Prof. Avi Loeb von der Harvard University. Die Beobachtung startet am Mittwoch und dauert nicht lange, da ‘Oumuamua sich doppelt so schnell wie die Sonde New Horizons bewegt. "Falls wir ein künstliches Signal entdecken, wissen wir es sofort", betont Loeb.
Loeb schätzt die Chance auf Entdeckungen als "sehr gering" ein, plädiert aber für Offenheit: "Selbst ein inaktives Artefakt wäre der größte wissenschaftliche Fund meines Lebens. Die Frage, ob wir allein sind, ist die fundamentalste der Wissenschaft."
Warum ‘Oumuamua so faszinierend ist – die Hintergründe folgen unten.
‘Oumuamua ist kein typischer Asteroid. Erstmals am 19. Oktober 2017 vom Pan-STARRS1-Teleskop auf Hawaii entdeckt, zeigt er ungewöhnliche Eigenschaften: zigarrenförmig, etwa 400 Meter lang und 80 Meter breit, mit rötlicher Färbung durch kosmische Strahlung. Seine Helligkeit variiert alle 7,3 Stunden um den Faktor 10, was auf eine stark elongierte, komplexe Form hinweist.
"Die extreme Helligkeitsvariation deutet auf ein Objekt hin, das etwa zehnmal länger als breit ist", erläutert Karen Meech vom Institute for Astronomy in Hawaii. "Es ist rötlich wie Objekte im äußeren Sonnensystem, völlig inert ohne Staub oder Koma – wahrscheinlich aus dichtem Gestein und Metall ohne Eis."
Der Name „‘Oumuamua“ bedeutet hawaiianisch „Bote aus der Ferne, der zuerst ankommt“. Als erster bestätigter interstellarer Besucher stammt er von außerhalb unseres Sonnensystems und hat möglicherweise Hunderte Millionen Jahre unterwegs verbracht – trotz früherer Annahmen zu Wega passt die Bahn nicht zu dessen damaliger Position.
Bisher gingen Forscher von kometenähnlichem Verhalten interstellarer Objekte aus, doch ‘Oumuamua widerlegt dies. "Das ist der erste direkte Beweis für interstellare Objekte", sagte NASA-Astrophysiker Thomas Zurbuchen. "Es eröffnet Einblicke in fremde Sonnensysteme."
Schätzungen zufolge könnten jährlich bis zu 1.000 solcher Besucher unser System durchqueren – einer alle drei Tage. Ein Aufprall wäre durch höhere Geschwindigkeit extrem energiereich.
‘Oumuamua passiert Jupiter im Mai 2018 und Saturn im Januar 2019, bevor es unser System verlässt. Dank fortschrittlicher Teleskope erwarten Experten weitere Entdeckungen. Diese interstellaren Gäste sind häufiger als gedacht.