US-Forscher haben einen bahnbrechenden trispezifischen Antikörper entwickelt, der 99 % der HIV-Stämme angreift. Diese Innovation stammt aus der Zusammenarbeit des US-National Institutes of Health (NIH) und des Pharmaunternehmens Sanofi.

In Tierversuchen schützte der Antikörper 24 Primaten zuverlässig vor zwei Varianten von SHIV, der Primatenform des HIV-Virus.
Er bindet gleichzeitig an drei kritische Stellen des Virus, was HIV die Resistenzentwicklung erschwert. Als „breit neutralisierender Antikörper“ kann er vielfältige HIV-Formen bekämpfen, auch bei Formwandel.
„Sie sind wirksamer und breiter als jeder natürlich vorkommende Antikörper“, betont Dr. Gary Nabel, Chief Scientific Officer bei Sanofi und Mitautor der Studie, in einem BBC-Interview.
Zum Vergleich: Beste natürlichen Antikörper decken 90 % der Stämme ab – dieser neue erreicht 99 %.
Klinische Studien am Menschen mit und ohne HIV-Infektion sind geplant, obwohl Humanstudien noch ausstehen.

„Kombinationen von Antikörpern, die an mehrere HIV-Stellen binden, überwinden die Virusabwehr am besten für effektive Therapie und Prävention“, erklärt Anthony S. Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) beim NIH.
„Ein einzelner Antikörper, der drei einzigartige Stellen bindet, ist ein faszinierender Ansatz“, fügt er hinzu.
„Dieser Durchbruch ist aufregend“, sagt Prof. Linda-Gail Bekker, Präsidentin der International AIDS Society. „Diese hochtechnisierten Antikörper überschreiten natürlichen Grenzen und eröffnen neue Möglichkeiten.”
Die Ergebnisse erscheinen in der renommierten Fachzeitschrift Science.
HIV ist heute dank Fortschritten keine lebenslange Belastung mehr. Dieser Erfolg reiht sich in laufende Heilungs- und Behandlungsstudien ein: Im Oktober zeigte ein NHS-Patient in einer britischen Studie virusfreie Ergebnisse. Anfang Mai entfernten Forscher der Temple University und University of Pittsburgh HIV-DNA aus Mäusen mittels CRISPR-Gen-Editing.