Unser Gehirn ist darauf programmiert, Muster in unserer Umwelt zu erkennen. Das hilft uns, Gefahren zu identifizieren, Ursache und Wirkung zu verstehen und zu überleben.

Manchmal jedoch erblicken wir Verbindungen, die gar nicht existieren. Verschwörungstheorien sind ein klassisches Beispiel: Sie weben Fäden zwischen scheinbar unabhängigen Ereignissen und erzeugen eine scheinbar kohärente, aber oft obskure Erzählung. Warum fallen manche Menschen auf diese Denkweise herein?
Psychologen der University of Kent und der Vrije Universiteit Amsterdam haben einen zentralen Denkfehler identifiziert: die illusorische Musterwahrnehmung. Dabei werden Muster wahrgenommen, wo keine sind.
Bisherige Forschung hatte diesen Zusammenhang vermutet, doch die Studie liefert nun systematische empirische Belege. Ergebnis: Die illusorische Musterwahrnehmung ist ein zentraler kognitiver Mechanismus hinter Verschwörungstheorien und übernatürlichen Überzeugungen.
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Die Forscher testeten 264 US-amerikanische Probanden in fünf Studien. Sie prüften, ob Teilnehmer Muster in zufälligen Münzwürfen, abstrakter Kunst oder Texten sahen – und korrelierten dies mit paranormen und verschwörungstheoretischen Glaubenssätzen.
Ergebnis: Wer Muster in Münzwürfen erkannte, neigte stärker zu Verschwörungstheorien. Bei Kunstwerken von Victor Vasarely (strukturiert) und Jackson Pollock (chaotisch) zeigten nur Muster in Pollocks Werken Korrelationen mit irrationalen Überzeugungen. "Nur das Erkennen von Mustern in chaotischen Reizen prognostizierte irrationale Überzeugungen – nicht in strukturierten", fasst die Studie zusammen.
Bemerkenswert: Selbst das Lesen über Verschwörungstheorien steigerte die Musterwahrnehmung leicht. "Nach der Manipulation des Glaubens an eine Verschwörungstheorie sahen Menschen Ereignisse kausaler verbunden und neigten zu irrationalen Überzeugungen."
Fazit der Experten: Die illusorische Musterwahrnehmung ist ein Kernbestandteil solcher Glaubenssysteme. Sie verzerrt unseren natürlichen Prozess, Muster in der Welt zu erkennen. Ursachen reichen von fehlender analytischer Bildung bis zu Unsicherheitsgefühlen, die Aberglauben und Religiosität fördern. "Irrationale Überzeugungen wurzeln in der Musterwahrnehmung, da sie die Welt vorhersagbarer machen."