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Ole Søndberg: Vom Wallander-Produzenten zum Pionier des Videospiel-Storytellings

Den Namen Ole Søndberg kennen viele nicht, doch seine Werke sind weltberühmt. Der dänische Produzent stand hinter der schwedischen und der US-amerikanischen Verfilmung von Das Mädchen mit dem Drachentattoo sowie der TV-Krimiserie Wallander. Als Gründungsvater des Nordic-Noir-Genres schuf er komplexe moralische Dramen, die das Publikum fesselten. Nun wagt er den Sprung in die Welt der Videospiele.

Ole Søndberg: Vom Wallander-Produzenten zum Pionier des Videospiel-Storytellings

„Das liegt in unserer DNA“, erklärt Søndberg auf meine Frage, warum Skandinavien so meisterhaft düstere Geschichten erzählt. „Wir sind dunkle Protestanten. Wir haben keine Wahl – wir sind geboren, um zu leiden, und müssen jeden Tag leiden.“ Er lacht herzlich.

Søndberg leitet das dänische Studio Investigate North, das sich auf die Veröffentlichung von Aporia: Beyond the Valley vorbereitet. Inspiriert von Klassikern wie Myst und Riven, versetzt das Abenteuerspiel den Spieler in die Ruinen einer vergessenen Zivilisation voller Rätsel und Geheimnisse. Durch das Studium der Umgebung und Illustrationen in alten Wandteppichen enthüllt der Spieler schrittweise die Geschichte dieser Welt.

Solche Elemente sind nicht neu – Spiele wie Journey, Dark Souls, Gone Home oder The Witness nutzen Umgebungsdetails, zerstörte Bauten und kryptische Rätsel, um Welten zu erzählen. Mit Søndbergs Expertise treibt Investigate North diesen Ansatz weiter: Eine Welt voller subtiler Hinweise, ergänzt um tiefgründige Charaktere.

„Charaktere waren mir immer zentral“, betont Søndberg. „Wir haben Figuren wie Lisbeth Salander geschaffen. Ich verliebte mich in Stieg Larssons Millennium-Serie und Wallander wegen ihrer einzigartigen Charaktere. Sie sind das Herz jeder Produktion.“

Ole Søndberg: Vom Wallander-Produzenten zum Pionier des Videospiel-Storytellings

Studio-Gründer Niels Wetterberg erklärt, dass das Team von historischen Technologien und dem Untergang alter Zivilisationen inspiriert wurde – mit Einflüssen aus Maya-, ägyptischen und biblischen Quellen. Aporia erstreckt sich über dunkle Katakomben und üppige Wälder. Die Geschichte wird rein visuell erzählt, ohne Text oder Dialog. Investigate North hat eine klare Vision, lädt aber zu individuellen Interpretationen ein.

„Viele Spiele in diesem Genre sind zu thematisch und bieten keine Katharsis“, sagt Wetterberg. „Wir wollen, dass Spieler denken, sie hätten alles verstanden – doch jede Interpretation ist willkommen.“

Dieses Balanceakt zwischen geführter Erzählung und Freiraum ist herausfordernd. Wetterberg räumt ein, dass das Storytelling in Spielen noch im Werden ist.Ole Søndberg: Vom Wallander-Produzenten zum Pionier des Videospiel-Storytellings

„Was 60 Jahre Geschichtenerzählen in Spielen bewirken werden, ist absolut faszinierend“

„Spiele befinden sich in den 1940er Jahren des Kinos, als Tonfilme neu waren“, philosophiert Søndberg. „Wir haben noch 60 Jahre bis zur Reife des Films – stell dir vor, was das für die Community bedeutet.“

Diese Trends entwickeln sich rasant. Aporia knüpft an Spiele wie Giant Sparrows What Remains of Edith Finch an, das durch Dear Esther und Gone Home familienbezogene Geschichten erzählt.

Wie fühlt sich der Branchenveteran im unvorhersehbaren Spieledesign? „Unvorhersehbar“, sagt Søndberg. „Bei Filmen hast du ein fertiges Skript. Hier gibt es Überraschungen – das bringt Schweiß auf die Stirn.“

Aporia: Beyond the Valley ist nun auf Steam für Windows-PCs verfügbar.

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