Dies ist keine Neuigkeit, doch es verdient Wiederholung: Unsere Gesellschaft verschwendet Ressourcen in enormem Maße – nirgends deutlicher als beim Elektroschrott. Das Problem mit alten Smartphones, Fernsehbildschirmen und weggeworfener Hardware lässt sich nicht mehr ignorieren. 2016 belief sich der globale Elektroschrott auf 44,7 Millionen Tonnen – vergleichbar mit 4.500 Eiffeltürmen. Bis 2021 wird er auf 52,2 Millionen Tonnen ansteigen, das sind 6,8 kg pro Person.

In diesem Schrottberg schlummern wertvolle Rohstoffe, die recycelt werden können. Experten schätzen den Wert der enthaltenen Edelmetalle auf rund 55 Milliarden US-Dollar. Frühere Studien haben gezeigt, wo diese Metalle zu finden sind. Die entscheidende Frage war jedoch: Lohnt sich der Abbau für Unternehmen wirtschaftlich?
Die Antwort lautet: Ja – und sogar günstiger als traditioneller Bergbau. Forscher der Universitäten Tsinghua und Macquarie belegen in einer neuen Studie, dass Urban Mining von Metallen wie Kupfer und Gold aus Elektroschrott ohne Subventionen profitabel ist und mit dem Abbau neuer Erze konkurrieren kann.
Der Müll des einen ist das Gold des anderen
Die Wissenschaftler analysierten Daten von acht chinesischen Recyclingfirmen, die Edelmetalle aus ausgedienten CRT-Fernsehern gewinnen. Trotz Kosten für Sammlung, Arbeitskräfte, Energie, Materialien, Transport und Ausrüstung stellte sich Urban Mining als kostengünstiger heraus als der Neubergbau von Kupfer oder Gold. Berücksichtigt man chinesische Subventionen (ca. 13 US-Dollar pro Fernseher), ist traditioneller Bergbau sogar 13-mal teurer. Selbst ohne Förderung bleibt Urban Mining überlegen.

Die Kosten für den Abbau von Kupfer (A) und Gold (B)
»Wir haben gezeigt, dass Urban Mining auch ohne Subventionen profitabel ist«, erklärt Co-Autor Professor John Matthews von der Macquarie University per E-Mail. »Subventionen machen die Branche jedoch noch attraktiver und motivieren Verbraucher, ihren Elektroschrott abzugeben.«
Obwohl die Studie CRT-Fernseher fokussiert, deuten die Ergebnisse auf ein breites Potenzial hin – für diverse Elektroschrottquellen und Metalle. Die Prinzipien gelten ähnlich für Smartphones oder Tablets.
Matthews empfiehlt gesetzgeberische Impulse in der Produktionsphase: »Regierungen sollten Hersteller verpflichten, Geräte leicht zerlegbar zu machen. Ohne das gestalten Firmen wie Apple Produkte demontage-resistent.«
»Die Demontage von E-Produkten ist ebenso entscheidend wie die Fertigung. Beide Prozesse brauchen klare Standards.«
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Rentabel ohne Eingriffe – warum nutzen nicht mehr Firmen diese Goldmine? »Das Hindernis ist die Trägheit etablierter Player«, sagt Matthews. »Neue Unternehmen mit frischen Modellen und Anreizen können das ändern.«
»Wir erwarten eine kreative Zerstörung in Bergbau und Metallurgie durch Urban Mining.«
Optimistisch schließt Matthews: »Urban Mining wird traditionellen Erzabbau verdrängen und Materialien für E-Produkte liefern. Etablierte Konzerne müssen umdenken oder scheitern.«
Die Studie erschien kürzlich in Environmental Science & Technology.