Keine makabre Isolierung aus Eulenfedern – vielmehr bietet die Natur mit den einzigartigen Flügeln der Eule wertvolle Inspiration für lärmarme Innovationen in der Luftfahrt und Windenergie. Anupam Sharma, Luft- und Raumfahrttechniker sowie Aeroakustik-Experte an der Iowa State University, hat die geräuscharme Flugweise der Eule systematisch erforscht.


Für Anwohner in der Einflugschneise großer Flughäfen oder nahe Windparks könnte Sharmas Arbeit der Durchbruch sein. Die Eule fliegt nahezu lautlos – nicht nur beim Gleiten, sondern auch beim Flattern. "Das ist erstaunlich", betont der Assistenzprofessor für Luft- und Raumfahrttechnik.
Sharma identifizierte eine dreiteilige Struktur: Eine feinzahnige, kammartige Vorderkante, nachlaufende Fransenfedern und ein flaumiger Mantel, der den Flügel umhüllt.

Dieser bio-inspirierte Ansatz ist nicht neu – das US-Militär testete Eulentechnik für Stealth-Flugzeuge. Sharma jedoch nutzt einen wegweisenden rechnerischen Methodenansatz. An der Argonne National Laboratory in Illinois simuliert er mit Supercomputern und über 16.000 Prozessoren mehrtägige Flugszenarien.
Praktische Ergebnisse liegen vor: Forscher der Virginia Tech entwickelten Modell-Tragflächen mit winzigen "Flossen" und nachgeahmten Flaumstrukturen. Im Vergleich zu konventionellen Profilen sank der Lärmpegel um bis zu 5 Dezibel über einen breiten Frequenzbereich.

Die vielversprechende Forschung wurde gefördert: Sharma erhielt ein CAREER-Stipendium der National Science Foundation in Höhe von 500.000 USD sowie 100.000 USD vom Iowa Space Grant Consortium. "Die Ergebnisse könnten das Design leiser Luftfahrzeuge für Verteidigung, Handel und Transport revolutionieren", erklärt Sharma.
Keine flaumigen Boeing-747: "Unser bio-inspiriertes Design ahmt nicht die Form nach, sondern die physikalischen Mechanismen – für Flugzeugflügel, Triebwerksrotoren und Windturbinenblätter.", so Sharma.
Eulen beweisen erneut ihre Weisheit – nun auch in der Aeroakustik gegen Lärmbelastung.
Bilder: Christopher Gannon, Iowa State University