Wenn Sie Kinder haben, kennen Sie wahrscheinlich das psychedelische, bezaubernde Universum von Chris Haughton mit seinen blauen Bären und Wollmützen. Durch Bestseller wie A Bit Lost und Gute Nacht allerseits hat der Illustrator dem Vorlesen vor dem Schlafengehen einen unverwechselbaren Stil aus Primärfarben und augenweit aufgerissenen Bestien verliehen.

Gerade hat Haughton mit dem chinesischen Studio Red Rabbit eine Virtual-Reality-App namens Little Earth abgeschlossen – eine Mini-Version unseres Planeten. Nutzer erkunden die Erdoberfläche, begegnen Tieren, füttern sie und lernen ihr Verhalten kennen. Manche Tiere erscheinen nur saisonal, sodass man die Zeit vor- oder zurückspulen muss, um sie zu finden.
Der Illustrator war zunächst skeptisch gegenüber VR, doch nach einem Besuch im Studio in Shanghai war er überwältigt: „Es ist ein aufregendes, kreatives Tool. Neben einem deiner Charaktere zu stehen und ihn zu füttern – das ist unglaublich.“
Durch die Erkundung der Erde und den Wechsel der Jahreszeiten vermittelt die App Kindern intuitiv Tierverhalten, Laute, Überwinterung oder Migration. Im Vergleich zu Lehrbüchern ist VR greifbarer, sagt Haughton: „Es selbst zu sehen, die Zeit zu kontrollieren, körperlich zu erleben – das macht Klick, anders als aus einem Buch.“

Bei früheren Projekten wie Hat Monkey mit Red Rabbit merkte Haughton: Interaktion kann der kohärenten Geschichte im Weg stehen. „Geschichtenerzählen führt den Leser, baut Spannung auf. Interaktion lenkt ab – die beiden sind gegensätzlich.“ Dennoch bietet Little Earth nutzergetriebene Erzählungen durch Jahreszeiten und Raumfahrt: Nutzer flitzen durchs Sonnensystem, sehen Umlaufbahnen.
Zukünftig kommen Missionen wie Gemini oder Voyager dazu. Näher dran: Klimawandel-Effekte, schrumpfende Eiskappen und wandelnde Ökosysteme – visuell kindgerecht erklärt.

Ein ambitioniertes Projekt, das VR-Pädagogik voranbringt. Für eine VR-Aufwachsgeneration könnte es Schule verändern. Haughton warnt aber: „Für Kleinkinder nicht geeignet – sie gewöhnen sich gerade an die Realität.“
Little Earth ist im Early Access auf Steam verfügbar. Bildnachweis: Chris Haughton
Siehe dazu: Aktzeichnen und maschinelles Lernen: Ein Interview mit der Künstlerin Anna Ridler und Kann uns die virtuelle Realität jemals so überraschen, wie es das frühe Kino tat?