Ein unabhängiger Überwacher warnt: Die Gesichtserkennungsdatenbank der britischen Polizei umfasst nun über 19 Millionen Bilder. Dies birgt Risiken falscher Identifikationen und ungerechtfertigter Anschuldigungen Unschuldiger.

Biometrics Commissioner Paul Wiles betont in seinem Jahresbericht, dass die Police National Database (PND) ihren ursprünglichen Zweck längst überschritten hat. Sie treibt die Polizei an, Gesichtserkennungstechnologie zur Profiling von Personen im öffentlichen Raum einzusetzen.
Wiles verweist exemplarisch auf den Karneval in Notting Hill dieses Jahres, wo die Polizei Gesichtserkennung nutzte, um Passanten gegen eine Beobachtungsliste abzugleichen.
„Die Nutzung von Gesichtsbildern durch die Polizei geht weit über Haftzwecke hinaus“, schreibt er. „Im Juli 2016 enthielt die PND 19 Millionen Gesichtsbilder, davon 16.644.143 in der durchsuchbaren Gesichtserkennungsgalerie – auch solche von nicht Verurteilten. Doppelungen und genaue Zahlen sind unklar.“
Außerdem laden nicht alle Polizeikräfte Bilder in die PND hoch, etwa die Metropolitan Police Service (MPS) mit eigener Sammlung. Die 19 Millionen sind somit eine Unterschätzung.
Ein High-Court-Urteil von 2012 verbietet der Polizei, Bilder von Festgenommenen ohne Anklage oder Verurteilung zu speichern. Fünf Jahre später fehle es immer noch an klaren Richtlinien, kritisiert Wiles.
Im BBC Radio 4-Programm Today sagte er: „Das ist besorgniserregend, da die Öffentlichkeit sonst das Vertrauen in die Polizei verliert.“
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Der Bericht räumt ein, dass Gesichtsbilder historisch genutzt wurden, doch durchsuchbare digitale Datenbanken und Echtzeit-Gesichtserkennung in der Öffentlichkeit sind neu. Wiles warnt vor einer Biometrie-Welle inklusive Spracherkennung, Iris-, Gang- und Venenanalyse.
Datenschutzorganisation Big Brother Watch begrüßt die Warnungen: „Das Innenministerium drängt auf biometrische Gesichtserkennung ohne Debatte oder Regulierung“, sagt Renate Samson. „Statt Millioneninvestitionen sollte es IT-Systeme modernisieren, um Bilder Unschuldiger automatisch zu löschen – wie bei DNA und Fingerabdrücken.“
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Gesichtserkennung stand auch bei Apples iPhone X im Fokus. Face ID ermöglicht Entsperrung und Zahlungen per Gesichtsscan mit einer Fehlerrate von 1 zu 1 Million, betont Apple.
Trotzdem Datenschutzbedenken: US-Senator Al Franken, Vorsitzender des Senatsausschusses für Datenschutz, forderte Details. Er warnt, Apple könnte Daten intern nutzen, verkaufen oder an Behörden weitergeben – inklusive Risiken rassistischer Vorurteile.